Gasflamme des sog. Vulkans am Monte Busca, mit Reisevelo hinter Flamme, im Gegenlilcht der Sonne
Apennin,  Emilia-Romagna,  Italien,  Toskana,  Touren

APN-2025-3
Appennino Tosco-Romagnolo
feat. Mugello & Casentinesi

Appennino Faentino/Imolese (Romagna)

Auch dieses Kapitel geht angesichts der Überschrift für kurze Zeit fremd in eine toskanische Ecke, die anfällt, man von Tredozio im Valle del Tramazzo ins Valle del Lamone bei Popolano wechselt. Wegen einer Straßensperrung aufgrund von Erdrutsch musste ich ohnehin ein Variante wählen, die weniger weit in die Toskana führte, bis ich wieder und ein letztes Mal in der Romagna war. Diese Ecke betrifft eine Route über Lutirano und den teils geschotterten Passo Cavallara (vgl. auch Kap. APN-2025-RW).

Nach Todesrampen über Monteromano und rustikal gerumpelt durchs nächtliche Valle del Sintria, öffnet sich am Passo di Zattaglia Richtung Casola Valsenio ein weites Panorama auf die aparte Mondlandschaft des Parco Regionale della Vena del Gesso Romagnola, aus Sand- und Kalkstein erodierte Badlands-Hügel, die sich als nördlichste Bergkette vor der Poebene bei Imola und Romagnolo Faenza erheben. Diesen Park habe ich nur am Rande gestreift, für eine Tour mitten durch hätte ich den Bogen in der Romagna noch weiter nördlich spannen müssen.

Mugello (Toscana)

Ein nördlicher Teil der Metropolitanstadt Florenz versammelt sich in einer eigenen historischen Landschaft, dem Mugello. Diese Region erstreckt über den Apenninkamm noch weit nach Norden in die romagnolischen Täler und Berge, bis sie an die Grenze der Emilia-Romagna stößt. Die einst eigenständige Region, die ihre Unabhängigkeit im aufkeimenden Mittelalter an das mächtiger werdende Florenz verlor, behauptet sich auch heute noch vor allem unter seinem Namen. Im Rahmen des separaten Kapitels zur Radinfrastruktur (APN-2025-RW) spielt Mugello nochmal als Radsportregion eine größere Rolle. Da ich für den östlichsten Teil meiner Tour den Mugello zweimal queren sollte, weicht hier die die chronologische Reihenfolge von der Darstellung ab, die ich kompakt zusammenfasse, also den ersten Teil hier nachhole und untermische.

Mein Einstieg ins Mugello war denkbar stürmisch – wortwörtlich gesehen. Die Grenze zum Romagnolischen Apennin, gleichzeitig zu dem Mugello und der Toskana, erreichte ich über den Raticosa-Pass aus Norden bzw. Nordwesten über das Val di Zena und das obere Valle dell’Idice. Schon vor Sonnenuntergang keimte ein Sturm auf, sodass ich mein Rad festhalten musste, während ich eine Jacke anziehen wollte. Bis zur Passhöhe hatte sich der Himmel in eine dunkle Drohkulissen verwandelt, deren gefüllte Wassertanks sich auch bald entladen sollten. Die Sturmstärke bog die Bäume, alle Schirme am Passlokal waren bereits zur Sicherheit auf den Boden gelegt, was nicht wortwörtlich halbwegs gesichert war, flog durch die Gegend. Den Pass zur anderen Seite runterzufahren wäre nicht nur lebensgefährlich gewesen, sondern ganz unmöglich. Ich klingelte beim Gasthofbesitzer, der mir erlaubt in seinem Wintergarten zu übernachten. Es war die einzige Möglichkeit. Die Nacht war die lautete der Reise. Es wäre denkbar gewesen, dass ein Baum in den Wintergarten gestürzt wäre. Die Windgeschwindigkeit dürften mind. 120 km/h erreicht haben, eher noch mehr. Wieder ein Glück-im-Unglück-Situation, die für mich gut ausging. Morgens war ich dann gleich bei den ersten Kaffeegästen und konnte später noch mehrere Haufen Hageleis an den Straßenrändern finden.

Vom Raticosa- zum Futa-Pass führt eine leicht abfallende Panoramahöhenstraße, über die man leicht auf die Südseite des Kamms gelangen könnte. Ich aber machte ja meine weite Romagnolo-Runde nach, die sich fast im Kreis dann am Futa-Pass schloss. Zunächst also verließ ich die Höhenroute alsbald zugunsten des Valle del Santerno, dass in einem Teil auf dem Weg Richtung Imola einer der schönsten Schluchten im Romagnolo-Apennin bildet. Zum Auftakt des Mugello eignet sich Firenzuola als Schnittachse und nördliches wie historisches Zentrum der Region, verfügt über eine gute Infrastruktur und einladende Laubengänge. Gerne machen hier auch noch andere Radler Station für eine Kaffee- oder Eispause.

Querbeet standen dann einige Mugello-Pässe an, zunächst ohne den Hauptkamm zu überwinden. Das charmante Palazzuolo sul Senio kreuzte ich gleich zweimal, beim zweiten Mal auf der gesamten Achse des mittleren und oberen Valle del Senio von Casola Valsenio bis zur Quellregion beim Passo della Sambuca. Im Palazzuolo finden sich ein paar Genussadressen, von denen eine Bottega mit Gastronomiebetrieb mit dem Spruch lockt „Life is too short to drink bad wine“. Das ist aber nur ein Vorwand, um sein hochpreisiges Segment dem Kunden schmackhaft zu machen. Selten sagt der Preis allein, was gut schmeckt, eher welche Gesellschaft unter sich bleiben möchte.

Unter den Pässen des Mugello überwältig vor allem der Passo della Sambuca, am besten in der Kombination die Südwestrampe vom Passo della Colla. Wer die Passage fährt, sollte sich die Körner gut einteilen. Ist der Sambuca-Pass von Norden erklommen, wartet der härteste Anstieg erst noch. Die Straße fällt zunächst ab, um anschließend nochmal auf eine ähnliche Höhe des Prato all’Albero. Anders als die panoramareiche Auffahrt zum Sambuca ändert sich die Szenerie unmittelbar danach in eine mystische Buchenwaldlandschaft, wo man dann einem kleinen Bergbach folgend die dann steilste Rampe bewältigt. Vom Prato all’Albero rollt sich hingegen dann leicht hinab zum Passo della Colla. Der Wald wird dann felsiger und Wilder, Wasser bricht laut hervor. Erst spät öffnet sich ein bezauberndes Bergtal bis man die Ebene bei Borgo San Lorenzo erreicht ist.

Schon Borgo San Lorenzo kann mit einer schönen Altstadt glänzen, doch besonders hebt sich wenig entfernt Scarperia hervor als eines der offiziellen schönsten Dörfer Italiens (als Fusionsgemeinde offiziell Scarperia e San Piero), derer es gewiss zu viele gibt, als dass es lohnt das Prädikat für Reiseideen zu bemühen. Der feudale Palazzo dei Vicari prägt das Zentrum des Ortes und erzählt eine kleine Wappengeschichte der einstigen Medici-Machthaber. Im Palazzo erinnert ein Museum an das mittelalterliche Handwerk von Schneidwerkzeugen, die in Scarperia eine lange Blütezeit erlebte.

Über den Passo del Giogo di Scarperia nochmals über Firenzuola erscheint der Passo della Futa weniger aufregend, jedoch verfügt er über ein ganzes Netz von Zufahrtsvarianten aus allen Himmelsrichtungen – so auch schon besagte Höhenroute vom Raticosa-Pass, auf den man weithin mit umliegende Windradhöhen und die Bergketten des Romagnolischen Apennins blickt. Der Futa-Pass ist gleichwohl ein Erinnerungsort für Gefallene im Zweiten Weltkrieg – hier von der deutschen Kriegsgräberfürsorge betrieben für deutsche gefallene Soldaten, von denen über 30.000 verblichene Kämpfer für das Sinnlose und Schändliche aus den Gräbern der umliegenden Region zusammengetragen wurden.

Die Abschiedsvortellung des Mugello und meiner sogenannten Nordschleife führt uns zum Lago di Bilancino, wieder bzw. bereits auf der Südseite des Hauptkamms. Dem großen Stausee konnte ich nicht allzuviel schöne Seiten abgewinnen, blieb aber auch nur gegen Abend am Westrand, wo zudem noch ein Volksfest mit Krachmusik keine rechte Idylle aufkommen ließ. Das Getöse drang noch weit über den See, wo sich ferner auch noch die bekannten kleinen Blutsauger auf die Lauer legen.

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