Steile Spitzkehre im Naturpark Piana Crixia, mit Reisevelo
Apennin,  Italien,  Ligurien,  Piemont,  Touren

APN-2025-6
Langhe/Monferrato
feat. Piana Crixia & Paesaggi Vitivinicoli

Monferrato (Colline Piemontese)

Ähnlich wie die Colli Tortonesi bezeichnen die Paesaggi Vitivinicoli di Langhe-Roero e Monferrato eine Weinhügellandschaft im Piemont, die allerdings sogar UNESCO-Welterbeprädikat genießt – so wie man es z.B. auch von der Prosecco-Region im Veneto kennt. Die Vitivinicoli werden dann nochmal nach den D.O.C.G.-herkunftsgeschützten Weingebieten sowie bekannten Schlössern der Region unterteilt: La Langa del Barolo, Le Colline del Barbaresco, Canelli e l’Asti Spumante, Il Monferrato degli Infernot, Il Castello di Grinzane Cavour. Die eher westlichen Teile davon beradelte ich auf meiner Piemontreise 2016, mehr nordöstlich nunmehr mein Finale nach Alessandria, Santo Stefano Belbo dabei ein Schnittpunkt beider Reisen.

Traditionen und Kultur stehen im Fokus von fünf Themenwegen des Multimedia Outdoor Museum MOM in den Teilregionen Langhe, Roero und Monferrato. Zwar handelt es sich vornehmlich um Wanderwege, die Orte der jeweiligen Themengebiete verbinden, jedoch lassen sich die meisten Orte auch radlerisch ansteuern, nur das die Wege dann komplizierter werden. Im Themenblock spielt auch eine Station „La Bicicletta“ eine Rolle, dessen Inhalt und Ort ich allerdings nicht rausfinden konnte. Zentraler Kern ist die Gemeinde Santo Stefano Belbo und die Region im Einflussbereich des Schriftstellers Cesare Pavese, dessen Stiftung dieses Projekt initiiert hat. Neben der Traditionsroute (Wein, Radkultur usw.) gibt es Themenwege zu Mythen und Legenden, Emotionen und Gefühle, die sich auf Paveses Gedankenwelt beziehen, Literatur mit Schreibern unterschiedlicher Genres, die im Pavese-Land gewirkt haben (so auch Umberto Eco aus Alessandria) oder noch arbeiten sowie ein Musikweg, der zu Orten von Musikern führt, die die Region geprägt haben, aus ihr Inspiration gezogen haben oder aus ihr stammen (z.B. Paolo Conte aus Asti). Auf diese Route stieß ich zwar zufällig oberhalb Santo Stefano Belbo, hatte jedoch tatsächlich geplant am Geburtshaus von Cesare Pavese vorbeizufahren. Leider war ich dort auch zu einem ungünstigen spätabendlichen Zeitpunkt.

Cesare Pavese war ein Literat, dessen Quelle und Tragik zugleich in dem Gefühl der Einsamkeit lag, dem er nie entronnen ist bis zum frühen Freitod im Alter von 42 Jahren. Er ging mit der Gewissheit von Erdenball, in 10 Jahren alles gesagt zu haben, was mehr zu sagen es nicht mehr gäbe. Wieviel mehr Worthülsen und Nonsens-Kommentare müssen wir heute im Social-Media-Kanon erdulden, die weder einen Papiereintrag noch einer Schallwelle würdig sind, doch keiner ihrer Schöpfer auch nur einen Hauch an leisen Zweifel hegt, die Menschheit mit diesem digitalen Müll zuzuschütten.

Die Nacht

Aber die windige Nacht, die Nacht voller Klarheit,
nur von Erinnerung gestreift, ist vergangen
und schon Erinnerung. Ein staunendes Schweigen,
selbst aus Laub gebildet und Nichts. Und nichts bleibt
von jener Zeit dort hinterm Gedenken als bloßer
Hauch des Erinnerns.

Manchmal, tagsüber
im unbewegten Licht des Sommertags kehrt es
wieder, dies vergangene Staunen.

Durchs leere Fenster
sah das Kind die Nacht in den frischen
schwarzen Hügeln und staunte, wie sie sich häuften:
unbewegt, schwebend und blank. Zwischen den Blättern,
die im Finsteren rauschten, erschienen die Hügel,
und alles Gewohnte des Tags, die Hänge,
Pflanzen und Weinberge waren klar und erstorben,
und das Leben war ein andres, aus Wind, aus Himmel
und aus Blättern und Nichts.

Manchmal kehrt
in die reglose Stille des Tags zurück die Erinnerung
an jenes versunkene Leben im staunenden Licht.

Cesare Pavese

Reifenpanne im strömenden Regen, das ist hier ein weiterer Schlag, der mich quasi in die Nacht hinein trifft. Kaum ein Unterstand trotz der zunehmend urbanen Umgebung. Wo soll ich da zelten außer direkt unterm Dach vom Fahrradladen? Der Weingenuss bleibt beim etwas gehetztem Finale wohl zu kurz, die Trauben dafür reich vom Stock, ein Seelenfrühstück gemütlich in Nizza Monferrato mich zur Milde stimmt.

Das Weinhügelland kann nochmal Aussicht schaffen, bevor sich auch die Hügel einebnen. Der letzte große Blick so in Mombaruzzo, mit Turm noch recht erhaben emporgewachsen. Vorauseilende Heimat bei der Distillerie Berta, die ihre edlen Grappas in Kupferkesseln aus dem schwäbischen Göppingen anrührt. Alessandria ist bereits ganz eben eingebettet, die Verkehrsadern zwingen zum Zähne-Zusammenbeißen, Alternativen sind nicht ausgeschildert. Der kleine Stadtrundlauf ist zufällig genau getimt, denn die recherchierte Bahnverbindung nach Verona ist gar nicht verfügbar, die tatsächliche in wenigen Minuten anberaumt und auch schon die letzte, wenn ich noch vor Mitternacht die Liebesstadt an der Etsch erreichen möchte. So endet diese Tour etwas unvermittelt und wenig später startet eine neue im Gewirr des Nachtlebens einer lebensfrohen Großstadt.

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