Büste Victor Hugo vor Burgberg Vianden mit Our
Luxemburg,  Mitteleuropa,  Regionen

Der Brückengast Victor Hugo in Vianden

In Not das Asyl-Verlangen, bald in Liebe verfallen

Ein Poet, ein Europäer, ein Reisender, ein Verfolgter, ein Liebender

Aussichtspunkt mit Info Victor Hugo und Malzeichnung Our
Victor Hugo verstand sich darauf, die schönsten Landschaften im mittleren Europa in Wort und Bild zu fassen – nicht ohne die friedliche Einheit einzufordern

„Vianden, in dieser herrlichen Landschaft gelegen, die einst ganz Europa besuchen wird, besteht aus zweierlei, gleichermaßen ermutigend und eindrucksvoll; eine unheimliche Ruine und eine heitere Bevölkerung“, so ahnungsvoll wie zwiespältig formulierte einst Victor Hugo sein kurzweiliges Viandener Asyl. An den Promenaden der Our glitzert ein Silberspiegel, der vom Schatten des Burgfelses gebrochen wird. Es ist jedoch nicht das Mittelalter, welches hier Dunkelheit verkündet, sondern schlichtes Spiel aus Licht und Schatten. Ein Bild, das nach Pinsel und Schreibfeder ruft. Ein Spiel, das auch Victor Hugo zu manchen seiner Zeichnungen und Malereien inspiriert haben muss.

Ein Romantiker voller Schaffenskraft

Sechzig Illustrationen soll Hugo während seiner Luxemburger Aufenthalte angefertigt haben. Ein Malerplatz oberhalb der Our, von Bivels auf einer kleinen, steilen Straße in Richtung Pumpspeicherwerk Vianden zu finden, zeigt ein wenig von Hugos Malwerk. Man möchte meinen, der Pinselstrich kommt hier zu spät – das Bild ward schon Jahrhunderte zuvor fertig. Die Our-Schleife von tiefem Blau inmitten der grün bewaldeten Hügel von Ardennen und Eifel scheint wie am Zeichenbrett berechnet, jeder Hügel in einem ästhetischen Bogenmaß vermessen. Die Farben sind von der Natur längst geschenkt, was der Malkasten nicht besser kann.

Blick auf Ourschleife mit Zeichung von Victor Hugo
Our-Schleife bei Bivels – Ausblick und Malzeichnung von Victor Hugo

Victor Hugo verwendete gerne Kohle, Kreide, oder schlichte Tinte als Malmittel, legte mit Sepiafarben mysteriöse Schleier, wie sie heute gerne Fotografen auf Bilder legen, um ihnen nostalgische Mystik zu verleihen. Er färbte, tönte, verdünnte mit experimentellen Methoden. Die Schleifenromantik der Our segmentierte er zu Bruchlinien aus braunen Klecksen. Eine impressionistische Fantasie oder eine düstere Reflektion der Zeiten, die ihn nach Luxemburg trieben? Manche meinen, dass er die Grundlagen zur abstrakten Malerei schaffte. Der Kunsthistoriker Raphael Rosenberg charakterisiert Hugos Arbeitsweise als „en passant“ oder in Hugos eigenen Worten „ohne Absicht“. So blieben seine Nicht-Absichten auch privat, Ausstellungen gab es von ihm zu Lebzeiten nicht. Ein Nihilismus in der Kunst?

Hugo vergleicht den Fluss unterhalb der Ruine Falkenstein (sie liegt auf der deutschen Eifel-Seite, nördlich von Bivels, dürfte aber einen vergleichbaren Ausblick auf die Our-Schleife bieten, wenngleich aus entgegengestzter Perspektive) mit einer Ringelnatter. Schlangen sind eine mystische Allegorie in Hugos Sprachbildern, die stark von der Faszination über Natur geprägt sind. Nacht geworden, empfand er einen Spaziergang zur Viandener Burg so: „Der Mond, verdunkelt. Die Täler, melancholisch von einer Nebelschlange umschlungen. Inmitten dieses Schattens ragt das Gespenst der Ruine empor. Waldkäuze schreien Hu! Hu! Hu!“

Bild Burg Burschied mit dunklem Vogel von Victor Hugo
Victor Hugo malte gerne mit düsteren Schattierungen (Bibliothèque Nationale de France)

So das Bild eines fliegenden Waldkauzes sich indes auf dem Bild von der Burg Burscheid zu zeigen scheint, so Hugo auch weitere düstere Motive mit seinem auch literarischen Schaffen verband. So lässt er die Ruine von Vianden vor einem Spinnennetz verschwinden, über das er sich am 13. August 1871 äußert. Dialektisch liebend wie hassend lässt sich Hugo von Spinnen inspirieren. Er spricht von dem tödlichen Knoten, den die Spinne wickelt, im Gleichnis wie er selbst schicksalhaft gefangen in der Arbeit. („J’aime l’araignée et j’aime l’ortie,/ Parce qu’on les hait ;/[…]/Parce qu’elles sont prises dans leur œuvre ;/Ô sort ! fatals nœuds !“, Les Contemplations.)

Spinnennetzbild von Victor Hugo
Im Netz gefangen – ein Künstlerschicksal? (PMVP)

Nicht nur hier, sondern an unterschiedlichsten Orten verschmelzen in seinen empathischen Reiseberichten Traditionen, Geschichte und Natur zu einer organischen Einheit des Schönen und Wahrhaftigen – ob in dem herabtränenden Felskessel des Cirque de Gavarnie oder an dem europäischen Strom Vater Rhein. Nicht zuletzt war es Ferdinand Freiligrath mit seinem politischen Einsatz für Gerechtigkeit ein Wesensverwandter, der viele von Hugos Gedichten ins Deutsche übersetzte. Diesen so bedeutenden Rheinromantiker, in besonderer Weise mit der Verleger-Dynastie eines Karl Simrock und als Poet mit der Stadt Unkel verbunden, könnte man als das rheinische Alter Egos zu Hugo bezeichnen. Ein anderer Dichter mit politischem Gewicht als Liberaler in der 1848er Revolution, der Württemberger Ludwig Seeger, dahier bekannt in Wildbad, Calw, Tübingen, Ulm und Stuttgart, übersetzte weitere Teil aus Hugos Dichterwelt. So eigenartig, wie mich Heimat mit Freiligrath und Seeger verbindet, musste ich zum Exil-Franzosen in Luxemburg reisen, um diese Liaisonen zu erfahren.


Erwartung
Victor Hugo, übersetzt von Ludwig Seeger

Eichhörnchen, auf die höchsten Zweige
Der hohen Eiche steige, steige
Die schwankt bei jedem Windesstoß!
O fliege, Storch, der Trümmerreste
Der alten Burgen liebt, vom Neste,
Vom Tempel zu der steilen Veste,
Vom Kirchthurm zu dem hohen Schloß!

O Aar, aus deinem Horst erhebe
Dich zu dem höchsten Berg, und schwebe
Hinauf, hinauf, zum ew'gen Schnee.
Und du, o Lerche, munter immer
Und wach vor'm ersten Morgenschimmer,
Steig' auf vom irdischen Gewimmer,
Schwing' jauchzend dich zur Himmelshöh';

Und von des Baumes hohem Sitze,
Des weißen Thurmes goldner Spitze,
Vom Berg, vom Himmel laßt den Blick
Weit schweifen, sagt mir: seht ihr biegen
Nicht eine Feder sich und wiegen,
Seht ihr ein Roß nicht dampfend fliegen,
Und kehrt mein Liebster nicht zurück?

Brief Victor Hugo mit Rheinburgzeichnung
Brief von Victor Hugo an seine Frau von seiner Rheinreise mit Zeichnungen der Burgenromantik (Bibliothèque Nationale de France)

Die politischen Botschaften

Eigentlich steht man an dem Malerwinkel über nur einem einig überbrückenden Mittelgebirge, denn Eifel und Ardennen sind mehr sprachliche als geologische Unterschiedsbezeichnungen. Sprachgrenzen müssen nicht immer politische Grenzen begründen, doch kam auch die Eifel-Ardennen-Region nicht an den politischen Zerwürfnissen vorbei. Was heute noch geteilt ist, scheint von den Wunden geheilt und neu verbunden. Die Tourismusverbände von Ardennen und Eifel arbeiten heute über die drei Länder Belgien, Deutschland und Luxemburg hinweg zusammen. Hugo aber sah sich einerseits dem aufkommenden Nationalismus gegenüber, andererseits waren die monarchischen Systeme der sozialen Ungleichheit noch wirksam. Nicht zuletzt waren beide Strömungen von militaristischer Expansion durchtrieben.

Hugo konnte sich mehrfach in Luxemburg niederlassen, zunächst aber nur wiederholt als gewöhnlicher Gastlandreisender. Zunächst verfolgt von Napoleon III. in Frankreich, fand er auch Unterschlupf in Belgien, fiel aber unter Leopold II. auch in Belgien in Ungnade, als dieser den Thron des Vorgängers übernahm, unter dem Hugo noch Freund und Exil-Gast gewesen war, sich in Brüssel „völlig hingerissen“ verliebte, und sogar als Großaktionär in der belgischen Nationalbank eingetragen war. Das Ende in Belgien war dann der Anfang des luxemburgischen Exils.

Obwohl Hugo gutbürgerlich aufwuchs, sich für das alte Königtum begeisterte und als Abgeordneter für die Monarchisten auftrat, legte er sich bald quer und forderte schließlich in der Nationalversammlung 1849 auch öffentlich, die als göttlich geglaubten sozialen Missstände von Elend und Armut auszumerzen. Das Pendel schwenkte um und mit „Détruire la misère!“ fand er nun eine enthusiastische Anhängerschaft bei den radikalen Republikanern, die seine Wortgewalt schätzten.

Denkmäler seh' ich schon in grauster Zeit erstehen,
Von hundert Königen erbaut sich selbst zum Ruhm,
Halbgötter waren sie und mußten doch vergehen,
Und ihre Säulen fielen um.
Victor Hugo, aus den Oden und Balladen

Der französische Poet und Maler war schon durch sein Werk ein natürlicher Feind des romantischen Nationalismus des 19. Jahrhunderts. Er zeichnete das Bild der entrechteten Armen wie das in den Vorstädten von Paris in Les Misérables (Die Elenden) oder Notre Dame de Paris (Der Glöckner von Notre Dame) und war damit der Gegner des Feudalen. Nicht müde wurde er, seine politischen Plädoyers in sein Werk einzuarbeiten wie in Le dernier jour d’un condamné (Der letzte Tag eines Verurteilten), welches die Todesstrafe anklagt – Hugo müsste sich damit auch heute noch in acht nehmen, so wenig hat sich die Welt weiter zivilisiert.

„Wissen ohne Gewissen wird zur größten Gefahr für die Menschen.“

Victor Hugo

Konnte Hugo seine Verbannung doch an schönen Orten wie den englischen Kanalinseln Guernsey oder dem luxemburgischen Vianden ebenso genussreich wie produktiv aussitzen, musste er doch seine Vision eines europäischen Kerneuropas in Frieden als Zeitzeuge begraben. Seine Vision des Rheins als Fluss gemeinsamer Geschichte und Kulturtraditionen verfiel im deutsch-französischen Krieg auf tragische Weise – erneut wurde der europäische Strom zum Grenzstreitfall von Herrschsucht, von nationalistischer Blindheit.

Geschichte im Schatten der Burg

Der dunkle Schatten, den die hoch thronende Burg Viandens auf das Haus wirft, in dem Hugo eine gehörige Zeit des Schaffens und Träumens verbrachte, warf aber auch Schatten voraus. Im November 1944 versammelten sich 37 luxemburgische Milizionäre unter der Führung von Vic Abens in Vianden und leisteten einer Einheit von rund 250 SS-Männern erbitterten Widerstand. Mut und die exponierte Lage der Burg verhalf der Miliz zu einem Vorteil, der die Angreifer nach dem Verlust von 38 Nazi-Gehörigen zurückweichen ließ. Sicher wäre Hugo vor der Geschichte zweier noch folgender Weltkriege, ausgehend vom Kerneuropa, erschauert gewesen und hätte seine mahnenden Worte erhoben.

Bild Château de Vianden von Victor Hugo
Eine von mehreren Darstellungen Victor Hugos von der Burgruine Vianden

Die Burg steht auf den Fundamenten eines römischen Kastells, eine nicht selten verankerte Kulturgeschichte in der erweiterten Moselregion bzw. des römischen Triers – auch als Augusta Treverorum bezeichnet. Erst Mitte der 1970er Jahre stieß man bei Bauarbeiten für einen künstlichen See bei Echternach auf die Reste einer römischen Villa. Das luxuriöse Anwesen mit Säulengängen, Innenhöfen, Mosaiken, Fußbodenheizung, Wasserbecken sowie einem Heil- und Zierkräutergarten kann heute samt rekonstruierten Szenen des römischen Alltagslebens lehrreich besichtigt werden. Davon konnte Victor Hugo nichts wissen, doch mag es wieder symbolisch wirken, dass er auf seinen drei touristischen Besuchen in den 1860er Jahren in Echternach Quartier bezog im dortigen Hotel du Cerf, welches aber später dem Kriegstreiben der Ardennenoffensive zum Opfer fiel.

Memorial Schumannseck, Luxemburg
Mahnmal eines schrecklichen Stellungskrieges im 2. Weltkrieg: Schumannseck, Kampfregion der Ardennenoffensive

Die Vision Europa

Und doch könnte Hugo heute auf genau jenes Europa blicken, dass er visionär erträumt hatte – mit Luxemburg als seinem europäischen Herz. In der Burg Vianden lässt sich europäische Geschichte nacherleben, Vianden blieb auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Ort europäischer oder auch weltlicher Begegnungen. Willy Brandt, Helmut Kohl, Andrei Gromyko, Hans-Dietrich Genscher, die englische Queen und der japanische Kaiser waren vor Ort, wie die Fotogalerie in der Burg dokumentiert.


„Alles, was Sie mir von Brüssel sagen, berührt mich, und mein Herz ist mit Ihnen. Danke beredter und lieber Denker. Es gibt weder Belgier, noch Franzosen, es gibt die Vereinigten Staaten von Europa. Es gibt die Universalrepublik. Lasst uns in diesem Gedanken leben, und lasst uns die Freiheit verteidigen.”

Victor Hugo am 5. Juni 1871 aus dem Luxemburger Exil in einem Brief an einen belgischen Journalisten

Schon die lange zuvor währende, umspannende europäische Adelsherrschaft Oranien-Nassau der Grafschaft Vianden legt die politische Kernbedeutung des Ortes nahe. Manche nennen Vianden daher auch gerne die heimliche Hauptstadt Luxemburgs. Nur darf die erfüllte völkerverbindende Vision nicht weichen, sie nicht wieder in Hass und Trennlinien zerfallen. So mahnt auch heute noch in jedem Silberglitzerblick auf die Our ein Burgschatten, die leidenschaftlichen Bünde zwischen Menschen, Völkern und ihre Landschaften zu erhalten und zu stärken.

Terrasse Literaturcafé Vianden
Alles ist Poesie: Literaturcafé direkt an der Our mit Victor Hugos Blickwinkel

Victor Hugo arbeitete eigenbrötlerisch und intensiv, nach einem festen Tagesrhythmus. Der Morgen galt Notizen, Briefen, Gedichten, der Zeitungslektüre. Anders als in seinen Malereien und Zeichnungen fanden Luxemburger Eindrücke in den rund 50 Gedichten keinen Niederschlag. An den Nachmittagen unternahm er Ausflüge zu den romantischen Orten und Burgen, dann gerne mit Freunden. Abends dinierte er oft in großer Gesellschaft, lud den Koch mit an den Tisch ein, pflegte den Kontakt zur einheimischen Bevölkerung. Diese Aufmerksamkeit würdigten die Viandener ebenso gerne und Hugo durfte sich auch mal über ein Ständchen der Viandener Musikgesellschaft freuen. Das war indes bereits bei seiner zweiten Visite 1863 und dürfte den späteren Aufenthalt befördert haben. In der Asylzeit traf er hier Anhänger der Pariser Kommune, blieb so informiert über die Bürgerkriegslage in Frankreich.

„Es gibt ein Schweigen, das lügt.“

Victor Hugo

Dem Wort hatte sich Hugo zutiefst verpflichtet, seinen Wert wollte er geschätzt wissen, im Zweifel aber sollte der Wert gefasster Worte gar über dem Anliegen des Autors selbst liegen, die Frage zwischen Urheberrecht und Gemeinwissen, wieder heute sehr aktuell, wenn auch mit digitalen Vorzeichen: „Das Buch als Buch gehört dem Autor, aber als Gedanke gehört es – der Begriff ist keineswegs zu mächtig – der Menschheit. Jeder denkende Mensch hat ein Recht darauf. Wenn eines der beiden Rechte, das des Autors oder das des menschlichen Geistes, geopfert werden sollte, dann wäre es, zweifellos, das Recht des Autors, denn unsere einzige Sorge gilt dem öffentlichen Interesse, und die Allgemeinheit, das erkläre ich, kommt vor uns.“

Ein Asyl, das zu einer neuen Wurzel heranwuchs

Büste Victor Hugo vor gleichnamigen Hotel

Obwohl Hugo zunächst Vianden nur mehrmals kurz besuchte, erstmals 1862, als er noch in England und Belgien die französische Verbannung überbrückte, so war doch seine Faszination für den Ort leidenschaftlich. Die Asylzeit vom 1. Juni bis 23. September (die erste Woche weilte er in der Hauptstadt) nach dem Rauswurf aus Belgien 1871 kam da wie gerufen, traute er sich doch noch nicht in die alte Heimat Frankreich zurück, deren politischer Umbruch unsicher schien. In Brüssel hatte er einer in Paris verfolgten Kommune Asyl angeboten, was ihm Angriffe auf seine Wohnung durch Rechtsextremisten einbrachte. Die belgische Regierung folgte schließlich dem Ruf des Mobs und wies Hugo am 30, Mai 1871 aus.

Porträtbild Victor Hugo in der Burg Vianden

Böses denkt, wer Parallelen ins 21. Jahrhundert findet. „Es gibt ein Schweigen, das lügt“ – dieses Zitat scheint aktueller denn je. Der rechte Mob hat nicht das Recht, Verfolgte zu verfolgen. Der rechte Mob hat nicht das Recht, den freien Worten Maulkörbe aufzubinden. Es ist der Verrat an dem Geist Europas, an dem Geist Victor Hugos. Das ist die Freiheit. Die ist zeitlos. Und hier schweige ich nicht, wenn Lügner von Europa und Freiheit sprechen – Werte, die sie in Wirklichkeit verachten.

Ihr Dichter, die ihr stets nur längst vergangnen Jahren
Und ihren Leiden folgt, die Schuldge oft gequält,
O singt die Greuel auch, die unsre Zeit erfahren,
Von denen noch kein Mund erzählt.
Victor Hugo, aus den Oden und Balladen, bereits 1918-22 verfasst

Hugo konnte auf die Freundschaft des Bürgermeisters und Parlamentariers Adolphe Pauly-Strasser vertrauen. Und Hugo revanchierte sich sogar, als er am 14. Juli 1871 die Löscharbeiten bei einem Großbrand übernahm, der die Unterstadt erfasst hatte. Der Schriftsteller legte bis weit in die Nacht selbst Hand an und organisierte eine Eimerkette bis zum Fluss, derweil der Bürgermeister nicht vor Ort sein konnte. Selbst dieses Unheil notierte er mit lyrischen Worten: „Es kommt mir vor, als scheine die Sonne in meinem Fenster. Es war Mitternacht. Ich gehe zum Fenster. Unermesslicher Lichtschein über der Stadt, über dem Berg, über der Ruine.“

Und da ist es nicht fern, dass auch eine Liebesgeschichte erzählt wird. Demnach soll Hugo sich in die 18-jährige Marie Mercier verliebt haben, daselbst eine Gefährtin eines erschossenen Kommunarden. Man denkt ein wenig an Jean-Paul Sartres deterministische wie politische Liebestragik „Das Spiel ist aus“, doch blieb Hugo auch ein bürgerlicher Romantiker, der in den Schoß von Familie und Heimat zurückfand. Hugo war kein Revolutionär, er pflegte die Utopie des Guten. Nicht ohne doch ein Bedauern, dass er über seine Rückkehr nach Paris äußerte. In Luxemburg hatte er sich Gewohnheiten zugelegt – „Gewohnheiten, die unsere Wurzeln sind“, wie er in seinen Notizen vermerkte.

Idyllische Our in Vianden
Maison de Victor Hugo, Vianden, Portätbildung mit Schrift, gespiegeltes Haus

Das flimmernde Flusslicht erzählt viele Geschichten und trägt sie fort. Die Fantasie beflügelt sie. An manchen Orten mehr als anderswo. In Vianden lebt die Fantasie. Real ist Victor Hugos Wohnhaus an der Brücke seit 1935 ein kleines, detailreiches Literaturmuseum für diesen Romantikergeist, dessen Büste aus den Händen Augustine Rodins gegenüber und vor der 1977 prächtig renovierten Burgkulisse nachdenklich grüßt. Hugo kannte nur die Ruine. Eine Gesellschaft ohne gewinnbringende Zwecke verwaltet das luxemburgische Erbe Victor Hugos, seit 2002 in dem erweiterten Museum und mit modernen, auch interaktiven Mitteln der Präsentation. Eine Dokumentation des maison de victor hugo vianden, musée literaire, ist als gedruckter broschierter Katalog auch in Deutsch erhältlich (64 Seiten). Maison Victor Hugo, Vianden, Musée literaire

Wer die Fantsasie empfinden möchte, muss hinfahren und verweilen. Blick mit Zeit. Geist im Pedal. – Dazu auch mehr:

Promenade Esch-Sauer mit Burgberg
Logo Schreibfeder, Pedal mitAugen, Rad, weißer Hintergrund

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