Val Trebbia, Blick in Schlucht mit Flussschleife, Reisevelo an Straßengeländer
Apennin,  Emilia-Romagna,  Italien,  Ligurien,  Lombardei,  Piemont,  Touren

APN-2025-1
Appennino Ligure I (nord-est)
feat. Borbera, Antola & Aveto

Relevante Daten für dieses Kapitel (Ca.-Werte)
• 21.5.-10.6.2025 | 21 Tage
• 1230 km | 59 km/d
• 25.560 Hm | 1217 Hm/d
• Topografische Schwierigkeit: 2078 Hm/100 km
• Titelbild: Mittleres Val Trebbia bei Marsaglia (Piacentino)

APN-2025-1
Appennino Ligure I (nord-est) (Tortona – Pontremoli/Mano di San Lorenzo)

Appennino Tortenese/Novese/Genuese (Piemonte/Liguria)

Nur anfänglich bewegte ich mich kurz durch Weinhügel der Colli Tortonesi, die die Umgebung zwischen Tortona und dem Museum mit ehemaliger Wohnstatt des Radsporthelden Fausto Coppi zeichnen. Mehr zu Fausto Coppi und seinen Einfluss findet ihr auch im Kapitel zur Radinfrastruktur (APN-2025-RW). Die Landschaft wandelt sich schnell in typische geologische Felsstrukturen und Sandsteinabbrüche, die Täler mit flachen Kiesbettverläufen oder Berghänge bekleiden.

Einher mit diesen Steinformationen gehen dichte Wälder, die urwüchsig und wild wirken, von Lianen durchzogen und überall ihren Quellreichtum versprühen. Nicht nur hier bezeugen alte Kastanienwälder eine künstlerische Ader der Natur, Skulpturen zu schaffen. Dazwischen begleiten immer wieder Blumenkelche Straßenränder und füllen schmalste Felsritzen. Die Straßen spiegeln die brechende Kraft der Wurzeln und Erdverschiebungen, wie sogleich auch der Regen den Asphalt beschimmert.

Indes sind die Kontraste gleich zu Anfang gegeben, denn schnell fand ich mich aus den Wäldern heraus auf Panoramastraßen wieder, weit das Berghügelland und dann doch wieder fast wie vom Beamer transportiert plötzlich kurz vor dem Abfall ins Küstenland. Der Ligurische Apennin ist gerade in der Nähe der Achse Tortona – Genua sehr schmal und schnell durchdrungen, wenn man möchte. Das Meer, wenn auch im Dunst kaum sichtbar, war mal nur 25 km Abschwung entfernt, so ich doch wieder zur Nordschleife zurückwich so wie am Passo della Scoffera oder einen Tag später am Valico di Barbagelata, als ich eine Südschleife abweichend vom oberen Val Trebbia eingebaut habe, bevor ich wieder an das Regionsdreieck von Ligurien, Piemont und Emilia-Romagna bei Monte Carmo zurückkehrte.

Das Val Borbera zeigt Steinformationen schon im Unterlauf, den ich schon kannte. Obwohl gleich zu Anfang im unteren Borbera-Tal, kam ich ins Alta Val Borbera (Borbera-Fluss, Piemonte/Tortonese) erst nach weiten Umwegen über Ligurien und den Antola-Naturpark. Er erstreckt sich über zwei Quelltäler, voller felsiger Wildheit sind und einmal sonnenreich, einmal regenreich in tief hängenden Wolken das typische Klima der Region verströmten. Nur mit Glück entkam ich einer steinschlagverordneten Straßensperre, da mir ein Einheimischer mit einem Kleintransporter folgte und einen Schlüssel für die gesperrte Strecke zückte. Warum es für Einheimische weniger gefährlich sein soll eine bergsturzgefährdete Strecke zu passieren als für Auswärtige, konnte ich mir nicht erschließen. Ohne die Schlüsselvergabe wäre ein Bergdorf aber nahezu abgeschottet gewesen, denn der Umweg zur anderen Seite hätte mich mehr als eine Tagesetappe gekostet.

Es ist hier schwer, das Besondere rauszugreifen, füllt sich dieses naturnahe Horn des Ligurischen Apennins mehr so lieblich und doch ungeschliffen, als dass sich einzelne Sensationen herausgreifen lassen. Es ist ein laufendes Bild an Schönheit, das beim Pedalieren vorbeigleitet – es verzückt, es weitet sich, es heimelt in den kleinen Dörfern, so wie mich eine Frau aus dem Fenster frägt, ob ich Schokolade mag – aber nicht erklärt, warum sie das tut. Besiedelt sind die Regionen nur dünn, viele Alte bleiben zurück, soweit die Best Ager nicht als Landwirte arbeiten oder weite Wege pendeln. Läden sind schwer zu finden, aber irgendwie ist immer was zu bekommen, wenn auch eher teuer. Aus manchen Restaurants schauen die Betreiber auch mal erwartungsvoll auf kaum zu erwartende Touristen in der Nebensaison. In anderen Dörfern prallt wieder italienisches Leben im Dorfcafé an der zentralen Piazza oder seltsam viele Autos suchen an einem Abend einen Gottesdienst in Pagliaro Superiore auf, eigentlich mehr ein Weiler am Weltenende.

Ich darf in diesem Kapitel nicht darauf verzichten, auf viele steile Anstiege hinzuweisen, doch die Straßen sehr unrhythmische Verläufe zeigen, wenn sie nicht ohnehin schon durch die Bodensenkungen im Lauf der Zeit unterspült oder verschoben wurden und ein welliges Format bilden. Ein anderes Bild darf auch nicht fehlen, soweit die Straßen auch häufig weit über dem Flussbett verlaufen, diese sich bei Hochwasser austoben können. Die angehöhte Lage der Straßen führt gleichwohl zu zahlreichen Auf-und-Abs. Flussnahe, leicht zu radelnde Talsohlen findet man nur in den mehr besiedelten Unterläufen, wo ich selten gewesen bin. Flüssen zu folgen heißt hier – nicht nur hier – Berge zu radeln, auch wenn der Fluss abwärts fließt.

Ist die Panoramasicht nicht verhindert durch dichtes Buschwerk und aufrückende Wälder, darf man sich nicht selten auf mäandernde Flussläufe mit hell leuchtenden Kiesbetten freuen. Das Val Trebbia gehört hierbei zu den bekanntesten, aber auch zu begehrten Ausflugszielen von Motorradgruppen, die dann die Cafés und Bäckereien an der Strecke an den Sonntagen bestürmen. In Montoggio, einem Basisort zum Parco Naturale Regionale dell’Antola (Monte Antola, Liguria/Genuese, u.a. mit Val Vobbia, Val Pentemina e Val Brevenna, Alta Val Trebbia) kam ich zum ersehnten Gebäck erst, nachdem ich eine veritable Bergrunde gedreht hatte, da gegen Abend der Ansturm dann doch verflogen war.

Appennino Pavese (Lombardia)

Nur einen kleinen Fleck im Apennin behauptet die Region Lombardei mit der Provinz Pavia. Mehr offenes Hügelland mit den Colli Verdi, in die man aus dem Val Nizza aufsteigt und die sich angenehm radeln lassen, aber keineswegs spektakulär sind. Immer wieder sorgen Burgen für einen Blickfang, so z.B. das Castelli di Varzi, das versteckte Castello di Oramala oder die Torre degli Alberi. Es wäre aber falsch zu behaupten, dass es im Pavese keine wilden Felsen und steilen Berge gäbe, denn in der südlichsten Spitze versteckt sich die eigenwillige Erosionslandschaft der Calanchi di Nivione, für die man in eine Sackgasse einfahren muss und einen lost place erreicht, von dem sich die ganze Schönheit noch besser erwandern ließe.

Die Pässe Passo Scaparina (1108 m) und Passo Vallette di Ceci (1118 m) liegen oben auf einer Höhenroute, sind aber mit markanten Steigungsspitzen versehen, wenn man sie aus der Nachbarprovinz Piacenza anfährt. Genau liegen die Pässe auf der Provinzgrenze wie auch Pass und Extrastichstraße zum Monte Penice. Könnte man den Passo Penice noch als durchschnittlich durchgehen lassen, sorgt der Weitblickausflug zum Monte Penice mit einer unüberschaubaren Ansammlung von Sendetürmen für einen Kultanstieg der härtesten Kategorie, mitzuzählen zu den nicht gerade wenigen Wadenkrachern dieser Tour.

Zu den weiteren Höhepunkten an der Provinzgrenze sorgt die Pian del Poggio mit Berghotel, von wo aus man im Bereich des Monte Lesima wandern kann. Die Stichtour zum Lesima-Berg habe ich ausgelassen – fern und weithin sichtbar auch aus dem Trebbia-Tal thront da eine Observatoriumskuppel auf dem Gipfel. Die 1368 m erreicht man allerdings auch schon knapp am Basispunkt der Bergstraße mit dem Passo di Giovà. Die Piacentino-Seite ist dabei wilder und aussichtsreicher als Pavese-Seite. Indes bestehen vielfältige Anschlussmöglichkeiten etwa zur schweigsamen Pian dell’Armà oder dem veritablen Valico di Capanne di Cosola (1493 m) mit Rifugio (doch eher schwacher Küche) den ich aus dem Alta Val Borbera wasserreich angesteuert hatte.

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