BLick auf Felsküste Cinque Terre mit Riomaggiore, mit Veloausschnitt am Geländer
Apennin,  Emilia-Romagna,  Italien,  Ligurien,  Piemont,  Toskana,  Touren

APN-2025-5
Appennino Ligure II (sud/ovest)
feat. Cinque Terre & Monte Beigua

Relevante Daten für dieses Kapitel (Ca.-Werte)

  • 27.7.-15.8.2025 | 20 Tage
  • 997 km | 50 km/d
  • 20.775 Hm | 1039 Hm/d
  • Topografische Schwierigkeit: 2084 Hm/100 km
  • Titelbild: Cinque Terre mit Riomaggiore (Spezzino/Liguria)
APN-2025-4/5/6 & ALP-2025-1-Lig
Appennino Ligure II (ovest/sud), Alpi Ligure, Langhe/Monferrato (Tresana/Aulla – Monte Malanotte – Alessandria)

Appennino Massa-Carrara/Spezzino (Toscana/Liguria)

Wieder ein ungerechter Sprung, manches noch hier unberichtet gelassen, sehe ich mich durchgerüttelt an der Via Francigena im Magra-Tal wieder – an der Grenze zum Ligurischen Apennin. Hatte ich in Aulla noch erwägt, neue Radschuhe zu kaufen, drohten doch meine alten zu zerbrechen, schien ich noch mehr verloren zu haben als mich die Schuhe Geld gekostet hätten. Denn beim Supermarkt vergaß ich abends mein Smartphone nach Lagebesprechung mit meinem Alter Ego, dem Pedalgeist, mit Karte & Co. am Boden hockend. Nur merkte ich das erst im ca. 8 km entfernten wie entrückten Bergdorf Tresana und bereits im Schlafsack zu Mitternacht liegend. Das Trauma schüttelte zwar meine Nerven kräftig durch, aber ich atmete tief durch und kühlen Kopf bewahren war die Devise. Am Sonntagmorgen in Windeseile möglichst früh vor Ladenöffnung zurück – es geht ja runter oder flach dahin. Der frühe Vogel findet das Smartphone wieder, ohne Schaden, niemand hatte es wohl bemerkt – neben der Elektroladesäule, E-Autos sind wohl noch zu selten. Soviel Glück und Freude stand mir natürlich nicht zu und zur Strafe gabs wenige hundert Meter später die nächste Reifenpanne. Auch da gilt: Man gönnt sich ja sonst nichts, Pannen sind Gratis-Pausen.

Ich änderte sodann die Route ab, vor allem eine heikle Schotterpassage war schnell gestrichen. Indes blieb der Zeitgewinn überschaubar, sorgte doch eine weitere Superrampe für Wadenklappern. Diese entrückte Einsamkeitsroute führt von San Remigio im unteren Vara-Tal via Castiglione Vara und Garbugliaga zum nächsten Weltenendedorf Beverone als Hochpunkt, sodann nach Veppo, mit einem lebendigen Völkchen. So recht weiß man aber nicht, wie der Ort heißt oder welcher Ortsteil welcher ist. Piazza, Serra und Montale sind auch noch Unternamen – recht viele, für so wenige Häuser.

Der beste Automatenespresso aller Zeiten für 60 Cents darf in Rocchetta di Vara nicht ungelobt bleiben, ist doch sonst in dem Ort kaum was zu bekommen. Es ging mit mir nun hinauf, zurück Richtung Via Francigena in Pontremoli und wieder retour nach Westen, um doch noch La Spezia und das Meer zu erreichen. Auch das geht einfacher, aber dafür radele ich ja nicht. Die Schleife ist ungelebt auch sowas wie eine Kernroute, wenn man die Lunigiana naturnah und eher einsam zu erleben. Dabei trifft man auf eine weitere historische Route, die Via Marchesana, die gleichwohl als Wander- und Radroute beworben wird.

Zum Passo Rastrello (auch: Rastello) führen mehrere Wege, der von mir eingeschlagene nahm zunächst Kurs von Rocchetta di Vara vorbei am Monte Zignago mit einem weiteren Zwischenabfall in eine Mulde, wo man leicht die überwucherte, antike Römerbrücke Serra Maggiore mit Wasserfall und Badestelle (Lago Puro) übersehen kann, welche sich etwas abseits der Straße verstecken, aber angeschrieben sind. Die Passhöhe ist erstaunlich kleinbürgerlich gediegen besiedelt, Sportplatz und Freizeitgelände mit Grillplatz dienen der Jugend als Treffpunkt.

Die Schleife zwischen Rastrello-Pass und Pontremoli und retour am Nordhang über Noce erkundet die Valli di Zeri, zugleich Name der weitversprengten Gemeinde, ein topografisch verwirrendes Terrain, das sich um das Kerntal bildet und zahlreiche kleine Dörfer mal am Hang, mal im Tal beherbergt. Nach Adelano ausgefahren ist die Tour fast ein Rundkurs, den man mittels eines Abzweigs nahe Adelano auch schließen könnte. Die Rückkehr nach Pontremoli (s.a. APN-2025-02), auch letztlich unerfüllt angedacht neue Radschuhe zu erwerben, nahm ich dann nochmal auf ganz andere Weise abseits der historischen Gemäuer wahr.

Die Nordvariante durch das Valli di Zeri ist etwas stetiger im Anstieg als die Südvariante zuvor. Oberhalb von Adelano verspricht eine Lourdesgrotte Heilung offenbar nur, wenn man dem Brunnen sein Kleingeld spendiert – so glitzern die Münzen als wärs hier ein Goldbrunnen aus einer Märchengeschichte. Ich nahm die silbrige Marienerscheinung als Angebot wahr, doch gleich beim Kirchenmann der Chiesa di San Maddalena wenig weiter zu nächtigen.

Zu schön eigentlich, so schnell hier über die Morgenstimmung auf der Abfahrtsroute hinwegzuwischen, immerhin ein paar Bilder dazu. Mit Sesto Godano war erstmal ein wenig von der Aura verflogen, die Landschaft ebnet sich etwas ein, rappelt aber mit einer Schlucht nochmal um Aufmerksamkeit. Zurück im Tal der Vara, nicht mehr fern vom Meeresniveau, schweife ich nochmal ab von der Verkehrsader in eine beschauliche Schleife via Casale und Pignone – landschaftlich nicht das ganz große Kino, aber Pignone ein kleines Dorfjuwel im Hinterland der Cinque Terre.

Erst 3,5 km vor La Spezia fällt die Straße zur Stadt und ans Meer ab, davor ein Auf-und-Ab die Anfahrt bremst. Meine Schuhe melden sich dringlicher erneuert zu werden, doch hatte ich aufgrund der späten Stunde kein Glück mit den Öffnungszeiten der Veloshops, die nicht den längeren Öffnungszeiten bis 20 Uhr der Citygeschäfte mit Krimskrams der Schickeria folgen. Mit Rädern ist halt nicht so gut Geschäft zu machen wie mit Gucci-Taschen. Noch war der Schuh aber nicht so am Ende, dass ich den nächsten Tag bis zu den Öffnungszeiten abwarten wollte.

Erstmals Meer auf der Tour macht Lust auf Fisch und Meeresfrüchte. Das umlagerte Fastfoodbistro am Hafen mit Seafood konnte aber nicht so ganz das Meeresaroma im Gaumen entfalten. Da wunderte ich mich doch etwas, wie viele Italiener die schlechte Qualität in Kauf nehmen, ja sogar beloben. Wohl muss der Italiener jetzt auch bei Speis und Trank sparen, die Inflation verarmt auch hier das Bürgertum, manchem Prunk zum Trotz. So tief in der Stadt, musste ich dann noch nachts die schwere Auffahrt angehen – immerhin war mir dann ein Terrassenplatz in der 5-Sterne-Kategorie über der Stadt gesichert, ein Kirchenbrunnen sogar noch Wasser spendiert – Lichtermeer, du bist unter mir, mein Abendgebet.

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