APN-2025-2Appennino Tosco-Emiliano I (nord)feat. Garfagnana, Monte Cimone & Monte Sole
Relevante Daten für dieses Kapitel (Ca.-Werte)
- 11.6.-7.7.2025 | 27 Tage
- 1331 km | 49 km/d
- 27.595 Hm | 1022 Hm/d
- Topografische Schwierigkeit: 2073 Hm/100 km
- Titelbild: Lago Calamone mit Monte Ventasso, Parco Nazionale Tosco-Emiliano (Reggiano)
APN-2025-2/3/4
Appennino Tosco-Emiliano-Romagnolo (Pontremoli/Mano di San Lorenzo – Passo de la Calla – Aulla/Tresana)
Appennino Parmense/Reggiano/Massa-Carrara (Emilia/Toscana)
Während südlich des Kamms und des Passo della Cisa die neue Region Toskana mit neuer Provinz (Massa-Carrara) empfängt, verbleibe ich im nördlichen Teil nicht nur in der Emilia, sondern zunächst auch noch im Parmense, weil die Grenze des Ligurischen und Emilianischen Apennins mitten durch die Provinz Parma verläuft. Pontremoli könnte kaum typischer als Pilgerort sich herauskehren – mit alten Steinbogenbrücken, der mächtigen Festung Castello del Piagnaro, enge Pflastergassen, heimelige Altstadtplätze, historische Stadttürme, eine mächtige Kirchenkuppel und mehrere Museen, unter denen das in der Festung sich der Kultur von Stelen widmet, die in der erweiterten Region in großer Zahl gefunden wurden.

Der etwas verwirrend mehreren Routen der Via Francigena begegne ich mit einer Auf- und einer Abfahrt zum Cisa-Pass von der südlichen Seite (mehr dazu auch in Kap. APN-2025-RW) – doppelt hält besser. Der Nordseite begegnete ich später nur in einem Tangentialpunkt, im gleichwohl liebenswerten Pilger- und Genussort Berceto.


Eigentlich hatte ich mit dem Passo di Cirone schon den nächsten Block in den Nationalpark Appennino Tosco-Emiliano angestoßen, doch sollte ich wegen eines Missgeschicks zunächst davon abgehalten werden. Nachdem ein Schaltzug gerissen war, hatte ich in der Dämmerung den neuen falsch eingezogen, der sich dann nicht mehr herausziehen ließ. Es ging dabei nur um sichtbare Millimeter, aber trotz unterstützender Hilfe von Bauern in einem kleinen Dorf kamen wir keiner Lösung näher. Spätestens als einer der Bauern versuchte mit dem Hammer den Schalthebel aufzuschlagen, war der Exkurs zu einem qualifizierten Radmechaniker zwingend angeraten. Ich wurde noch mit dem Auto über ein paar Hügelberge zum Parma-Fluss gefahren, da ich ja nur noch große Gänge zur Verfügung hatte und jeder Hügel zur Schiebeeinheit wurde. Wie allerdings üblich, bleibt auch die Route am Parma-Fluss ein Auf-und-Ab, bevor endgültig die Ebene durchgreift. Die Zeit schwand also schneller als ohnehin schon befürchtet.



Noch zwei Veloshop-Optionen hatte ich vor Parma in Betracht gezogen, erwiesen sich aber als Fehlgriffe – eine davon, weil nach GoogleMaps angegebener Laden seit zwei Jahren nicht mehr existierte. So kam ich zum ungeplanten Stopp in die Stadt Parma tief in die Ebene rein. Immerhin konnte der mir zuvor von einem Bikefitter im nicht mehr vorhandenem Veloshop empfohlene Radmechaniker das Problem mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl lösen. Die Reparatur hing aber am seidenen Faden – kaum zu glauben, wie wenige Millimeter und Minuten zwischen Weiterfahrt und Supergau liegen können. Zum ersten Mal bin ich einem so fremden Menschen spontan um den Hals gefallen – die Tour feierte Wiederauferstehung.
Die drückende Sommerhitze der Tiefebene suchte ich wieder schnellstmöglich zu entkommen. Noch nachts rückte ich weit aus der Stadt raus, musste aber dann doch pausieren und mich heimtückischen Moskitos aussetzen, die aus den nahen Flussauen ihre Angriffe auf Menschenblut starten. Ein paar Burganlagen säumen die Strecke, dann endlich in Langhirano wieder am Fuße der Berge.

Seltsames trug sich noch zu, als ich vor dem Wiedereinstieg in die Berge nochmal die Schaltung nachstellte und in der Hitze einen Montageplatz im Schatten eines Baumarktladens suchte. Statt mich anzusprechen, bestellte dieser gleich die Polizei, weil ich auf privatem Firmengelände wäre (allerdings ja ein Geschäft mit Publikumsverkehr). Zwischen den Zeilen stellte sich heraus, dass ihn mein nackter Oberkörper gestört hatte, das Argument Privatgelände war nur vorgeschoben. Es wundert immer wieder, wofür die Polizei ausrückt oder auch das Volk glaubt, für was sie zuständig sein soll. Als ich vertrieben war und in der Sonne weiter schwitze, fragte noch der Polizist, ob er mir helfen kann. Ironie, Frechheit oder einfach nur dumm? Ähnliche Situation habe ich nunmehr schon mehrere auf meine Reisen erlebt.

Die Schleife führte über Berceto nochmal kurz zurück zur Via Francigena – diesmal zur Nordseite. Auf dem Weg liegen bemerkenswerten Felsformationen, die Salti del Diavolo. Wieder geht es um Schönheit, wieder hat der Teufel seine Hand im Spiel. Leider hatte ich hier nicht ganz durchschaut, dass man für bessere Einblicke zu einer Aussichtsplattform hätte abzweigen müssen und eine Stichstraße einen Exkurs empfiehlt. Schließlich zurück über den Silara-Pass am Dorf meines Schaltzugmalheurs vorbei, streift nun die Route immer wieder Teile des Nationalparks.
