APN-2025-1Appennino Ligure I (nord-est)feat. Borbera, Antola & Aveto
Appennino Piacentino/Genuese (Emilia/Liguria)
Setzen wir die Fahrt aus dem Pavese über die Colli Verdi in die Provinz Piacenza fort, finden wir im Val Tidone eine besondere Kuriosität. Bänke in Italien haben mittlerweile Kult- und Kulturcharakter in allen erdenklichen Varianten, von bemalten Artworks über die nummerierten Riesenbänken für bessere Aussichten bis hin zum Literaturbuch wie die Shakespeare-Bank in Trevozzo. Das Val Tidone setzt die Burgenwelt des Pavese weiter fort, so mit der Rocca-d’Olgisio beim Anstieg zum Passo di Casa del Diavolo.

Sprach ich bereits über die recht bekannte und lange Trebbia, sortieren sich an dem Fluss Piacentino am Unter- und Mittellauf, das Genuese am Oberlauf, so oben schon mit dem Antola-Naturpark verbunden. Die eigentlich so bekannten Mäander der Trebbia finden wir hingegen mehr im Mittellauf, etwa zwischen Traschio und Bobbio, besonders panoramareich aber zwischen Rovaiola und Marsaglia. Über dem Talboden verläuft hier die SS45, mit manchem Anstieg, nicht ganz verkehrsarm, teils tief eingeschnitten die Schlucht. Unten laden flache Kiesstrände in den Flussschleifen zum Baden ein, nur schwer da hinzufinden – entweder auf engen, riskanten Abstiegen von der Straße und in langer Flusswanderung, vielleicht mit Kanu von den Talorten.



Nicht abgeschlossen ist das Trebbia-Kapitel, ohne den Ort Bobbio erwähnt zu haben – ein launiges Städtchen, wo sich die Jugend in Partylaune feierte – ganz in Schwarz gekleidet. Ein Koch aus einem anliegenden Restaurant kam aus seiner Küche, um meinen kurz zuvor im Supermarkt aufgestockten Proviant neidisch zu kommentieren. Das Picknick dann auch dort, wo die größte Attraktion des Ortes wartet, eine lang geschwungene Brücke mit elf Steinbögen, die Ponte Gobbo, auch Teufelsbrücke genannt wie fast alle schönsten Brücken historischen Datums. Weit seltener lässt sich der Teufel als Baumeister nachweisen, hier legten Mönche im 7. Jahrhundert den Grundstein, wenngleich die Brücke den Fluten und Erosionen Tribut zollen musste und zahlreichen Revisionen unterlag, so auch die heutige Gestalt erst später annahm.


Unterhalb von Bobbio, etwa parallel und westlich der Achse zwischen Travo und Cassolo, erheben sich mit dem Pietra Parcellara und dem Pietra Perduca zwei eremitische Bergkegel aus einem gewölbten Hochplateau heraus. Diese eindrucksvolle Kulisse erlebt man bestens, wenn man die Tour auf der Trebbia-abgewandten Seite zwischen dem Passo della Caldarola über Bobbiano nach Travo folgt. Die Szenerie wird farbenfroh mit Ginstergelb und launig mit Kurvenabfahrt angereichert, der Torre di Bobbiano nochmal einen Turmakzent setzt. Danach noch Espresso mit Vanilleeis und eine Trebbia-Badepause, da ist der romantische Abend in Bobbio schon angestimmt.



Dem Piacentino von mir zugordnet, aber doch mehr ein Naturpark Liguriens, hebt der Parco Naturale Regionale dell’Aveto (Val d‘Aveto, Ligurien/Ost) eine besondere Landschaft kleiner Eiszeitseen in höheren Bergregionen hervor. Diese sind nicht unbedingt leicht mit Radl zu erreichen, oft als Sackgassen fern der Durchgangsrouten oder auch per Piste mal. Nur einen dieser Seen habe ich besucht, mit steiler Zufahrtsrampe den geheimnisvollen Lago delle Lame – auf 1043 m noch einer der eher niedrig gelegenen Seen.




Nicht weit jedoch im Ort mit dem Naturparkzentrum in Rezzoagglio fand ich eine überregional auch bekannte Molkerei/Käserei vor, deren Joghurt meinen Gaumen hoch erfreute und ich immerzu versuchte in diversen Supermärkten zu bekommen, obwohl preislich deutlich teurer als die einfachen Massenmarken. Den Aveto-Park erreichte ich weitere Male über das Alta Val di Taro aus der Nachbarprovinz Parma heraus ebenso wie aus dem Ceno-Tal wie dann nochmal auf der Südschleife von der Levante-Küste aus, zweimal dabei über den Passo del Bocco aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen.



Die anliegenden Pässe der Region sind kaum hier alle zu dokumentieren. Ferriere bietet einen guten Ausgangspunkt z.B. für den Passo Mercatello, den ich von Westen aufgefahren bin und sich flott nach Ferriere abfahren lässt, dabei eindrückliche Felsformationen die Ausblicke begleiten. Oder aber auch für die bereits angesprochene Tour über den Passo del Crociglia mit einer panoramareichen Kehrenabfahrt nach Santo Stefano d’Aveto, wo eine mächtige Festungsanlage wartet, leckere Kekse gebacken werden und auch mal Touristenbusse einen Besuch abstatten.
Appennino Parmense (Emilia)
Die Tour führte mich aus dem Piacentino ins Parmense über den Passo Linguadà zwischen Farini im Val di Nure und der Festungsstadt Bardi im Val del Ceno. Gleich um Bardi herum bin ich mehrere Schleifen gefahren, dabei bereits erstmals ins Val di Taro mit dem Zentrum für Steinpilze Borgotaro, das ich nochmal auf einer weiteren Tour über den Passo Centro Croci erreichte. Von Passo della Colla nochmals an Bardi vorbei, bildet der Ceno-Fluss eine mächtige, fast schwarzfelsige Schlucht, die man nur recht kurz kreuzt, wenn die Tour weiter gehen sollte nochmal an den Rand des Aveto-Parks beim Passo del Tomarlo.




Ans Ende der Welt führt dabei die Tour in eine Sackgasse des Weilers Roncole, in dessen Nähe sich die attraktive Cascata del Lecca (Cascata Ravezza) befindet. Glaubt man kaum, dass hier jemals viele Menschen hingelangen, überrascht der folgende Passo die Morti mit einigen originellen Open-Air-Kunstwerken.


Auf Umwegen zum Passo del Tomarlo gelangt, schließt sich dem Aveto-Park ein kleineres Schutzgebiet um den Monte Penna (Ligurien/Ost, Emilia/West) an, in dessen urigem und dunklen Buchenwald die Quelle des Ceno-Flusses liegt.



Nach Talabstieg sollte ich am selben Tag nochmals den Aveto-Park streifen, sodann über das Val di Taro und den Passo del Bocco. Um wieder ins Val di Taro zurückzugelangen nahm ich einen Abstecher durch Ligurien über Varese Ligure, einem netten Örtchen mit opulenter Kirchenkuppel einem Burgturm mitten zur Piazza. Über den Passo Cento Croci, stimmungsvoll im Abendrot erreicht und mit einer Zeltnacht unter einer Windmühle, wo ich abends noch in ein gutes Gespräch mit einem Paar führen konnte, war dann das Taro-Tal wieder erreicht mit seiner Pilzstraße. Dazu auch noch mehr im Kapitel zur Radinfrastruktur (APN-2025-RW).





Der Passo del Brattello setzt den letzten, wildwuchsigen Urwaldakzent in diesem nördlichen Teil der Ligurischen Alpen, deren Grenze nach dem Übergang vom Taro-Tal ins Magra-Tal mit der Via Francigena erreicht ist. Damit überschreite ich auch nicht die ligurische Grenze nach Süden, sondern erstmals die toskanische Grenze mit dem Pilgerort Pontremoli.

Seiten: 1 2