Gasflamme des sog. Vulkans am Monte Busca, mit Reisevelo hinter Flamme, im Gegenlilcht der Sonne
Apennin,  Emilia-Romagna,  Italien,  Toskana,  Touren

APN-2025-3
Appennino Tosco-Romagnolo
feat. Mugello & Casentinesi

Relevante Daten für dieses Kapitel (Ca.-Werte)

  • 8.7.-17.7.2025 | 10 Tage
  • 418 km | 42 km/d
  • 8565 Hm | 857 Hm/d
  • Topografische Schwierigkeit: 2049 Hm/100 km
  • Titelbild: Vulcano del Monte Busca (Forlivese)
APN-2025-2/3/4
Appennino Tosco-Emiliano-Romagnolo (Pontremoli/Mano di San Lorenzo – Passo della Calla – Aulla/Tresana)

Zur Erinnerung: Der Tosco-Emilianische und der Tosco-Romagnolische Apennin werden im Norden durch das Val Sillaro getrennt, also wiederum nicht entlang der Provinzgrenze, sondern innerhalb dieser – hier die Metropolitanstadt Bologna bzw. das Bolognese. Deren Grenze reicht in die westliche Romagna rein, schließt noch Imola und das Santerno-Tal ein, was bereits romagnolische Region ist und trotzdem teils schon zur Toskana und der Metropolitanstadt Florenz gehört. Ich überspringe allerdings zunächst den ersten Teil der Mugello-Region entgegen der chronologischen Reihenfolge meiner Tour und fasse ihn später mit dem zweiten Teil des Mugello zusammen, bevor ich mich endgültig auf die „Südschleife“ der Tour begebe.

Appennino Faentino/Forlivese/Firenze (Romagna/Toscana)

Wir setzen den Bilderbogen also fort in Marradi, zwar auch noch knapp toskanische Mugello-Region, aber eben nicht mehr weit zur heutigen Grenze der Romagna – genauer: Marradi ist beides zugleich, Romagna und Mugello/Toskana. Marradi verdient noch eine kleine Verbeugung von mir, denn es ist eine Maronenmetropole – und ich bin ein großer Fan der essbaren Kastanie. Es gibt sogar ein Museum bzw. ein Forstzentrum zur Kastanie, wo auch Forschungen betrieben werden, die Kastanie besser zu kultivieren und zu züchten. Meine Kastanienliebe bezahlte ich mit überteuerten Keksen, weil ich in dem erst besten Laden auf ein Schlitzohr hereinfiel. Marradi am Kapitelbeginn auch deswegen, weil ich tief erschüttert in der Nacht zuvor den Rückfall meiner Durchfallerkrankung erlitt und nunmehr mit Tee und Tabletten statt Espresso versuchte, den Sonnentag mit einem Neustart zu beginnen.

Die Situation verbesserte sich nur langsam nachhaltig, der Tag döselte dahin und ich kam nicht wirklich weit. An Sonnenblumenfeldern und Kiwiplantagen vorbei, still äsende Rehe mich kritisch beäugen, nur eine Schotterpiste für das Zeltlager gereicht, doch der Sonnenuntergang die Abendstunde zelebriert, so laufe ich am Morgen ins Valle del Tramazzo und nach Modigliana ein. Hier sorgt die Ponte della Signora für den Blickfang, eine alte Römerbrücke, seinerzeit noch Ponte di San Donato, die aber im Laufe ihres langen Lebens nochmal neu aufgebaut werden musste, als sie 1640 von Fluten niedergerissen wurde. Den Wiederaufbau verdankt man der Adelsfamilie Casalini, deren Oberhaupt eine Dame war und der heutige Name daran erinnert.

Pflichttermin für Sammler von Radlerdenkmälern danach, denn am Passo del Monte Trebbio wartet eine abstrahierte Radsportskulptur, die auf den lokalen Radsportverein und seine heroischen Alpenpasseroberungen verweist. Ein Brunnen hätte dem Picknickplatz noch gut gestanden – was sonst wünscht der Radler immerzu?

Im Valle del Montone sorgen da und dort offene Sedimentschichten für meist nur einseitige Schluchtkulissen, weithin schweifen die Blicke über Hügelpanoramen, wenn mal wieder ein Talwechsel ansteht. Im Valle del Rabbi verdichtet sich das Hügel- zum Bergland je näher man Premilcuore kommt, einem Eingangstor zum folgenden Nationalpark. Ich treffe morgens einen deutschen Ansiedler, der aus Sinsheim im Kraichgau kommt – mal wieder die so kleine Welt vor Augen geführt. Obwohl er sein Schlachtkaninchen zur Kühlung bringen muss, widmet er mir noch Gesprächszeit mit einigen Tipps. Der Vorschlag, einem Römerweg als Abkürzung zu folgen, endet für mich allerdings in einer Tortur. Ich frage mich da, wie ein angeblicher Radler solchen Weg anraten kann, der quasi unfahrbar ist.

Parco Nazionale delle Foreste Casentinesi, Monte Falterona e Campigna

Der Parco Nazionale delle Foreste Casentinesi, Monte Falterona e Campigna diente mir als östlicher Wendepunkte mit dem Passo della Calla, den ich bereits von meiner Italienreise im Jahre 2006 kannte (Giro d’Italia 2006-0: Eine große Italienreise mit Vulkanfeuer). Diesmal sollte die Passage dieses Passes aber nur recht kurz sein, weil ich zur Passhöhe eine alternative Route mit Schotterteil durch den urigen Buchenwald des Parks einfuhr (vgl. APN-2025-RW).

Bereits nach der Römerbrücke mit Badegumpen unweit jenseits von Premilcuore reihen sich aufgeriebene, dunkle Felsen an die Straße. Nicht lang ist dieser Genuss, wird von einem schattigen Urwald abgelöst. Fast schon fehlplatziert unterbricht die Naturszenerie ein Esslokal in Fiumicello, das für Wildspezialitäten bekannt ist – so die große Gästeschar auch unterstreicht. Urig und wild mischen sich den Passo della Braccina hinauf weiter noch mehr Urwald und schroffe Felsrippen, Blumensträuße dazu aus den Flanken grüßen und mal ein Picknickplatz zur Rast einlädt. Gekrönt wird diese herrliche Tour mit grandioser Aussicht bei der Passhöhe.

Den Nationalpark geht man möglichst mit gut gefülltem Proviant an, denn Versorgungsmöglichkeiten zum Einkaufen sind kaum vorhanden. Nur einige Einkehrmöglichkeiten können eine kärglich bestückte Picknicktasche ersetzen. Beim Parkzentrum Campigna sind gleich mehrere Möglichkeiten mit Hotel gegeben. Auch nach der Passhöhe reicht noch eine Straße weiter hinauf, nimmt quasi die Passhöhe, bis bei einem Parkplatz für Autos Schluss ist. Nochmal hat man Einkehrmöglichkeiten in Rifugios bis eine längere Durststrecke folgt. Der Pistenteil fällt in dieser Richtung nur abwärts, was die Sache erleichtert (zur Piste s.a. Kap. APN-2025-RW). Die Buchenbäume wissen sich in Skulpturen zu formen, gerne verwachsen sie zu kleinen Baumstammfamilien. Infotafeln geben manche Einblicke z.B. zur Pilzwelt.

Bereits wieder auf Asphalt, muss man absatteln, um zur Cascata Calabuia zu gelangen, schon recht rutschig für Radlerschuhwerk, dafür eine umwerfende Kulisse, die als Badestelle an guten Tagen viele Besucher zählt. In San Godenzo musste ich den Tag etwas vorzeitig beenden, da ein Gewitter die nächste Passfahrt zu arg bedrohte. Das Gewitter trollte sich etwas davon, als die Trommelwirbel eines Mittelalterfestes den Festplatz des Ortes zum Beben brachte, indes die aufgetischten Festspeisen nicht ganz so einladend erschien, was der fröhlichen Volksstimmung nicht schadete.

Ungefähr bis Portico di Romagna und zurück im Montone-Tal reicht meine Nationalparktour, wenngleich in der fast 3-tägigen Gesamtschleife einige Teile knapp aus dem Parkareal rausfallen, was ich hier aber nicht explizit berücksichtige. Auch führt ein Teil um San Godenzo durch die Toskana und dortige, nordöstliche Mugello-Region, bevor sich der Kreis zur Romagna wieder schließt. Ursprünglich hatte ich sogar eine Rundschleife wieder zurück nach Premilcuore geplant, zog dann aber eine Abkürzung sowohl wegen der Magen-/Darmprobleme als auch der Wetterentwicklung vor.

Der Passo del Muraglione kann nicht mit der Wildheit vom Braccina-Pass mithalten, doch verfügt er immer wieder über weite Panoramablicke über die waldreichen Berge und Täler. Das Wetter zwang mich gleich zu zwei Pausen, auf der Passhöhe kam der Regen günstig zum Mittagstisch. Das Passlokal hat sich auf Motorradfreunde mit zahllosen Insignien, Fotos und Modellwerken eingeschossen, was das entsprechende Publikum trotz der bescheidenen Wetteraussichten auch anlockt. Da Sonntag ist, sollten wir es nicht überbewerten – auch auf der Strecke war kaum Verkehr, mehr sitzen die Motorbiker wohl in Cafés.

San Benedetto in Alpe wird eng ins Valle del Montone eingebettet, Felsrippen bilden ein steiniges Flussbett, in denen Strudel das Wasser in sich hineinschlucken und wieder schäumend ausspucken. Der Nationalpark klingt so launig am Fluss aus, bildet mit einer Römerbrücke über einer Stufenkaskade quasi einen badefähigen Abschiedsbogen in Bocconi.

Dem folgt eine kleine Naturkuriosität, wenn man sodann ins Valle del Tramazzo nach Tredozio wechselt, nunmehr schon eindeutig außerhalb des Nationalparks. Noch bevor der Valico Monte Busca erreicht ist, sorgt ein Schild nebst Graffiti-besprühten Hofgebäuden für Stirnrunzeln und Neugier. „Vulcano“ steht da – doch wo hier ein Vulkan? Eher eine Bergwiese mit Aussicht, wo man vielleicht gerne zur Rast sich niederlässt, wartet nach der kurzen Piste dahin. Dann lodert ein Feuer dort – man könnte meinen, ein verlassenes Lagerfeuer. Doch brennt es unaufhörlich, warum? Was ist es? – Der „Vulkan“! Der kleinste Vulkan der Welt, der Vulkan vom Monte Busca. Doch ist es kein Vulkan, sondern eine natürliche Methangasquelle, die seit ca. 500 Jahren austreibt. Das Gas entzündet sich manchmal selber oder wird von Einheimischen angezündet, sodass eine ewige Flamme lodert. Sie kann je nach Gasmenge auch unterschiedlich stark und hoch flackern.

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