ALP-2025-1-LigAlpi Ligurifeat. Oliveto di Imperia & Monte Malanotte
Relevante Daten für dieses Kapitel (Ca.-Werte)
- 16.8.-25.8.2025 | 10 Tage
- 473 km | 47 km/d
- 9535 Hm | 954 Hm/d
- Topografische Schwierigkeit: 2016 Hm/100 km
- Titelbild: Monte Malanotte (Cuneese/Piemonte)
APN-2025-4/5/6 & ALP-2025-1-Lig
Appennino Ligure II (ovest/sud), Alpi Ligure, Langhe/Monferrato (Tresana/Aulla – Monte Malanotte – Alessandria)
Alpi Liguri (Liguria)
Wie schon anfangs erwähnt, bewegt sich mein südlicher Bogen im Westen über den Apennin hinaus noch weiter in die Ligurischen Alpen hinein, die sich geradezu fließend anschließen. Betrachtet man nicht die Geomorphologie, sondern die Topografie, könnte man auch meinen, dass der Gebirgsbogen einheitlich weiter bis zum Roya-Tal verläuft, welches eine markantere Grenze bildet als die Talmulde beim Altare-Pass. Nun habe ich aber nicht die gesamten Ligurischen Alpen beradelt, sondern eher den östlichsten Teil davon, zu gut sind mir schon die Wege weiter westlich bekannt. Auch überschnitten sich einige Teile mit alten Touren, was aber durchaus freudige Wiederkehr bescherte.
Gleich zu Beginn sah ich auffällig mehr Kühe als zuvor im Apennin, mehr Bergweideland öffnet sich, dichte Wälder zunächst etwas weniger. Dass ich gleich an einem Fischteich zur Nachtruhe finden sollte, zeugt davon, dass die höheren Alpenstufen sich erst langsam aufbauen. Altare zeigt sich gepflegt und schmuck dekoriert mit künstlerisch bemalten Kacheln, Türen oder Fensterbögen. Der Ort ist nicht nur Alpenbeginn zur einen Seite, sondern auch Startort der touristischen Radroute Appennino Bike Tour zur anderen Seite (s.a. APN-2025-RW).

Das Auf- und Ab des Apenninbogens bleibt auch in den Ligurischen Alpen erhalten, die Auswahl für verwinkelte Passkombinationen ist hier nicht geringer. Die erste radlerische gehobene Prüfung von landschaftlicher Klasse beschreibt der Colle Baltera im Verbund mit dem Colle del doppio Bivio – insofern im Verbund, da eher eine Auffahrt und zwischen beiden Pässen mehr Höhenroute, die man auch auf einer direkteren Strecke umgehen könnte, aber wohl auch gesperrt war. Der Umweg lohnt indes ohnehin, bekommt man hier einen schmalen Panoramablick auf den Lago di Osiglia geschenkt, der einzig die kleinere Zahl von Autos erklärt, die man sonst hier gar nicht erwarten würde. Der See bildet ein kleines Ausflugs- und Ferienziel und hätte wohl eine Extraschleife gerechtfertigt, die ich bei meiner Planung wohl übersehen habe. Aber nun gut, überzeugt in der Folge die Route zunächst an Windrädern vorbei, schon fast wieder bis zum Meer runter ins steil gestaffelte Calice Ligure, wo gleich eine steile Rampe im Gegenhang über Eze wartet.




Durch die Olivenhänge, die zum Meer hin in den Ligurischen Alpen noch mehr prägend sind als im Apenninteil der Ponente-Küste, ist unter großem Hitzestöhnen bald die eigentliche Anfahrtsstraße zum Colle del Melogno erreicht, von der sich weite Blicke zum Meer bei Finale Ligure ergeben, aber auch die Bergketten der Ligurischen Alpen. Die Besonderheit des Melogno-Passes ist das Forte Centrale del Melogno, ein Verteidigungsanlage aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, deren Mauern man durch ein Tor durchfährt.



Calizzano bildet ein Zentrum mit sternförmig zulaufenden Straßen aus vier Himmelsrichtungen. Den charmanten Seiten des Ortes möchte man gerne eine Pasue widmen, am Sonntag so auch beliebter Treffpunkt von Rennradlern der Region. Noch sympathischer schien mir aber das Café in Bardineto, so auch dort sich etwas weniger Leute verlaufen. Vor allem zur Südseite des Giogo di Toirano steigert sich die Bergkulisse mit schroffen Felskuppeln, steilen Abbruchkanten und Höhlengebilden zu einem alpin-mediterranem Kurveneldorado der Extraklasse.



Entspannt liegt Toirano noch entfernt vom Küstentrubel, aber noch nah genug, um Feriengäste in die Höhlen zu locken, in denen Knochen von Frühmenschen gefunden wurden, die im hiesigen Museum betrachtet werden können. Statt Knochen leiste ich mir nur Bier und Eis, die nächsten Attraktionen warten schon, so das Burgdorf Balestrino zur Blauen Stunde, schon dem Dämmerlicht verfallen. Wie eine Burganlage wirkt das gesamte Adlerdorf Castelvecchio di Barbena, das mittelalterliche Castello aber nur einen Teil davon ausmacht, die steilen Treppen mit Rad gar nicht alle zu erkunden. Ich sollte hier gleich zweimal durchkreuzen, so meine Schnittachse einer südwestlichen Schleife im ligurischen Teil und einer nordwestlichen Schleife piemontesischen Teil der Ligurischen Alpen gelegt war.




Nicht weniger reizvoll liegt eher zu Füßen des Felsendorfes das gleichwohl mittelalterliche Arkadendorf Zuccarello, dessen Schönheit sich in der Bronzestatute der verzückenden Ilaria widerspiegelt. Mythisch verehrt trotz ihres nur kurzen Lebens, verzauberte sie die Adelsgesellschaft von Lucca im 14. Jahrhundert und wurde in späteren Poesiewerken zu einer Ikone einer nationalen Fiktion ganz Italiens erhoben. Das ebenso öffentlich ausgestellte Fallbeil mahnt jedoch, dass auch die glanzvollsten Zeiten des Mittelalters eine dunkle Kehrseite hatten. Zuccarello und Ilaria bereitete ich bereits meine devote Ehre auf meiner Piemontreise 2016 – und auch diesmal gleich zweimal durchfahren. Auf der Rückschleife hatte ich noch kurz angedacht, einem Festkonzert zu lauschen, mich dann aber doch zur Weiterfahrt entschieden, so dort kaum ein Platz für mein Zelt zu finden wäre.



Cisano sul Nevo wenig weiter möchte Zuccarello nicht nachstehen. Soweit die historische Kulisse nicht ganz so überwältigt, schaffen die Bewohner skurrilen und liebenswerten Schmuck aus Gerümpel oder moderner Kunst zur gelungenen Ortsbildpflege. Nicht ganz vermeiden lässt sich folgend ein unangenehmes Gewerbe- und Verkehrsgeflecht, streift man doch bereits die Randzone von Albenga, bevor man in Villanova d’Albenga wieder ruhige Gassen und Plätze findet.

Mehr Olivenhaine und Olivenproduzenten sammeln sich alsbald auf einer Panoramastraße über San Damiano nach Testico, wo zwar die Lokale geschlossen halten, aber die Christen sich einer Festversammlung treffen. Der Abschwung vom Passo del Ginestro liefert eine Parade von Adlerdörfern, über eine verwunschene Seitenroute durch Olivenhaine pures Sommervergnügen, was mich laaerdings heftig nach Wasser – besser ein Meeresbad – dürsten ließ.



