Steile Spitzkehre im Naturpark Piana Crixia, mit Reisevelo
Apennin,  Italien,  Ligurien,  Piemont,  Touren

APN-2025-6
Langhe/Monferrato
feat. Piana Crixia & Paesaggi Vitivinicoli

Relevante Daten für dieses Kapitel (Ca.-Werte)

  • 26.8.-29.8.2025 | 4 Tage
  • 222 km | 56 km/d
  • 2470 Hm | 618 Hm/d
  • Topografische Schwierigkeit: 1113 Hm/100 km
  • Titelbild: Parco Naturale Regionale di Piana Crixia (Langhe/Liguria)
APN-2025-4/5/6 & ALP-2025-1-Lig
Appennino Ligure II (ovest/sud), Alpi Ligure, Langhe/Monferrato (Tresana/Aulla – Monte Malanotte – Alessandria)

Langhe (Appennino Ligure/Piemontese)

Nach dem Einkaufsstopp am Rande von Ceva legte sich bereits die Dämmerung über das Land, sodass ich nach anfänglichen Erosionshügeln kaum noch etwas von der Naturlandschaft jenseits von Sale delle Langhe erhaschen konnte. Der Anstieg setzte mir mehr zu als erwartet, erklimmt schließlich eine Höhenstraße nach Montezemolo, ein Bienen- und Honigzentrum, zugleich Basis für das Riserva Naturale delle Sorgenti del Belbo, welches sich östlich der Höhenstraße ausbreitet, während die Quelle des Belbo unmittelbar bei Montezemolo entspringt. Durch die unfreundliche Witterung hatte ich die Übersicht verloren, den schnellen Downhill gesucht und daher den Abzweig zur alten Nationalstraße übersehen, während die neue Straße durch einen Tunnel geleitet die Landschaft weitgehend ausblendet.

So überraschend verwinkelt sind die Grenzen, dass in der Folge noch ein guter Teil in die Region Ligurien fällt, hier sogar die gesamte restliche Tagesleistung. Millesimo säumt mit morbidem historischem Charme das Bormida-Ufer, einst von Markgraf Heinrich II. del Carretto 1206 offiziell gegründet, u.a. um die Handelsroute zwischen Ligurien und dem Piemont zu sichern. Mit den Nachbarorten Cengio, Cosseria und Roccavignale entstand ein Viereck von wehrhaften Burganlagen, und sorgten noch Ende des 18. Jahrhunderts für eine verlustreiche Schlacht von Napoleons Truppen. Zugleich etablierte sich der Ort aber auch als geistiges und geistliches Zentrum der Region mit bis zu drei aktiven Klöstern.

Im Angesicht des Regengeträufels wollte nicht viel vom historischen Glanz in mir aufkeimen, auch den Parco Naturale Regionale di Bric Tana ließ ich unbeachtet liegen. Er hätte eigentlich in eine Schleife mit dem Lago d’Oseglia in die Ligurischen Alpen reingehört. Eigentlich wollte ich das Museo della Bicicletta in Cosseria besuchen, doch ließ sich trotz versuchter Anrufe niemand Zuständiges vermelden. Ein Museumsbesuch hätte ja gut zur Wetterlage gepasst. So verging die Zeit etwas ungenutzt im Bistro gegenüber, bis dezente Sonnenstrahlen ein wenig die sandigen Hügel erwärmten, an denen eine kaum genutzte Straße mit Pistenteil über Cummi nach Cairo Montenotte führt.

Die strategische Lage bescherte auch Cairo Montenotte eine lange wie umkämpfte Geschichte. Im 20. Jahrhundert sorgte Ferrania Film für ein beachtliche Industrie für lichtempfindliche Materialen, die in Film, Fotowesen und Röntgentechnologie eine grundlegende und weltweit führende Rolle spielte. Erst 2018 hat die Stadt ein Filmmuseum eröffnet, das vor allem diese Industriegeschichte des Ortes aufbereitet.

Eine auffällige Erosionslandschaft von Calanchi oder Badlands präsentiert der Parco Naturale Regionale di Piana Crixia (Liguria/Langhe), dessen Name schlicht von der Ortschaft am Rande des Parkes stammt, wo auch die größte Attraktion des Parks den Besucher beglückt, nämlich ein durch Sedimenterosion entstandener Pilzfelsen. Diese offen gelegten Sedimentschichten schließen im Osten im Ponzonese bis ins Alta Valle Erro und in den Geopark del Beigua an (vgl. APN-2025-5) und sind eigentlich typisch für die Piemont- und Lombardei-Regionen an der Nordflanke des Apennins, durch den Zipfel der Verwaltungsgrenze aber hier „ligurisch“.

Während der Pilz zum rechten Ufer der Bormida „gewachsen“ ist, erstreckt sich der wesentliche Rest des Naturparks zur anderen Seite nach Nordwesten. Bereits die Fahrt über die Passstraße SP29 liefert ein eindrucksvolles Kaleidoskop der Sedimentschichten, immer wieder auch im Kontrast zum mittlerweile leicht herbstbunt gewordenen Bewuchs. Der Naturpark lässt sich auch noch auf Pisten und Wanderwegen durchkreuzen, doch konnte ich eine durchgehend fahrbare Variante nicht mehr austesten. Möglicherweise muss man mit ein paar schwierigen Passagen rechnen, die nicht für jede Art Trekkingrad durchgehend radelbar sind. Bei Regen ist aber davon abzuraten, weil schlammige und gefährlich rutschige Wegezustände zu erwarten sind.

In Pianosave ist dann der letzte Übertritt ins Piemont besiegelt, nicht weniger triefend nass als ich den ligurischen Zipfel verlassen musste. Von nun an stehen Landschaft, Kulinarik und Kultur im Zeichen einer braunen, harten Frucht – der Haselnuss. Manche Hügel mit ausgedehnten Haselnussplantagen er in Reih‘ und Glied angeordneten dunkelgrünen Sträuchern dämmen das nunmehr ohnehin spärliche Tageslicht und machen die Landschaft auch mal monoton. Cortemilia versteht sich als die Haselnussmetropole schlechthin, feiert die nocciola gerade zu meiner Besuchszeit mit einem Fest und einer eigens gedichteten Ode. Die Konditoren des Ortes ringen um die Krone der besten Haselnusstorte – an der Pasticceria Canobbio an der Piazza Oscar Molinari kommt wohl kein Leckermäulchen ohne Einkehr vorbei.

Irgendwo hier befinden wir uns im überlappenden Bereich der Langhe, aber auch schon den verschiedenen geschützten Weingebieten des Monferrato. Statt Haselnusssträucher erobern zunehmend die Rebstöcke die nunmehr weiter geschnitten Talhänge. Man kann nicht ohne Pausen hinaufradeln – die Trauben schon reif genug zur Kostprobe, zu verführerisch die blauen und goldgrünen Zuckersäfte, im Licht der milchigen Abendsonne zum Glasperlenspiel angeregt. Dazwischen überraschen nicht nur hier immer wieder bemalte Zaunpfähle, die wie Buntstifte einjede Rebstockreihe wie ein Offizier anführen. Die Riesenbänke zur Rast gedacht, gleichwohl an der Malerei wohl teilgenommen haben. Diese buten Zaunpfähle gehen auf Aldo Divano, einem ehemaligen Gärtner aus Alessandria, zurück. Als Pensionär entwickelte er seine kreative Ader, bemalt seit 2016 Holzpfähle zu Buntstiften, zunächst nur im Weinbau, dann aber auch andere Nutzwerke wie z.B. die Ruhebänke. Die Inspiration zog er aus seinen weltweiten Reisen, im Besonderen von Kindern in Laos. Lassen wir hier zum letzten kleinen Landschaftswechsel einige bunte Sitzhölzer aus der Langhe erleuchten.

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