APN-2025-5Appennino Ligure II (sud/ovest)feat. Cinque Terre & Monte Beigua
Appennino Genuese/Novese (Liguria/Piemonte)
Mit 472 m stellt der Passo dei Giovi einen der niedrigsten Übergänge des Appennino Settentrionale dar, wenngleich sich auf meiner Auffahrtsvariante einige extreme Steigungsspitzen verstecken und mehr Höhenmeter liegen als nötig wären. Ohnehin ist die Nordanfahrt nochmal leichter als die Südanfahrt. Überraschend bedeutet auf dieser Verkehrsachse die Kammquerung noch längst nicht den Regionswechsel von Ligurien ins Piemont, der deutlich weiter in der nördlichen Talsohle liegt. Zweigt man nördlich von Busalla in Borgo Fornari nach Westen ab, erreicht man das Piemont sogar auf kürzerem Wege über den Passo della Costagnola, der allerdings wenig spektakulär ist, gleichwohl in das umso charmantere Örtchen Voltaggio überführt.

Von Voltaggio führen gleich zwei Straßen zum Parco naturale delle Capanne di Marcarolo (Piemont/Mitte-Ost), von denen ich die Mitten-durch-Achse vom Campo Ligure nach Voltaggio bereits im Jahr 2016 beradelt habe. Diesmal also die Variante nach Südosten zum Passo della Bocchetta, eher eine Randroute, aber voll wilder Feuchtnatur, dabei mit weniger Aussicht als die andere Route.

Die Naturparkzone endet zwar mit der Passhöhe, doch nehme ich von der schon tiefen Südseite in Campomorone eine erneute Auf- und Einfahrt nach Westen in Angriff. Diese Tour bietet einige Panoramen auf das Golf von Genua – allerdings etwas seltener als gedacht. Ich hatte schließlich eine gewagte Pistenroute angedacht, die mich zur Küste bringen sollte, was sich aber als nicht realisierbar entpuppte. Auf der Suche nach dem richtigen Abzweig traf ich einen einheimischen Kenner, der mir dringlich von der Tour abriet, da sie mit meinem Rad nicht annähernd fahrbar sei. So musste ich – besser: durfte ich auf die mir schon bekannte Straße Richtung Campo Ligure aufschließen. So verweilte ich angesichts der fortgeschrittenen Zeit nach den zähen Auf-und-Abs auch noch jenseits vom Colla di Praglia an einem Wanderheim von Capanne di Marcarolo, kaum als Ort zu bezeichnen, aber namensgebend für den Naturpark.



Unten: Impressionen von der Fahrt zu den Piani di Praglia

Statt seinerzeit die Filigranart in Campo Ligure zu bewundern, musste ich diesmal die nächste Reifenpanne beseitigen. Der Turchino-Pass stellt keine große Herausforderung da, bleibt aber etwas rätselhaft ob der Passhöhe über dem Tunnel. Dort ist von Süden eine Zufahrt für Radler verfallen und gesperrt, wohl aber führt eine andere Route auch über den Tunnel, mündet aber weit ab an anderer Stelle auf die Straße. Mit der Fahrt nach Westen zum Passo del Faiallo wird schließlich die nächste Provinzgrenze nach Savona durchstoßen, jedoch verbleibe ich zunächst dort nicht lange. Das Genuese beende ich dennoch an diesem Tage – dann allerdings mit dem erneuten Übertritt ins Piemont vor den Toren von Ovada.



Unten: Römerbrücke Tiglieto über die Orba, Monte Beigua
Mit der Fahrt zum Faiallo-Pass ist ein neues Tor aufgestoßen, das zum Beigua UNESCO Global Geopark/Parco del Beigua, dessen Namensgeber der gleichwohl radelbare Monte Beigua darstellt. Zwar beschränkt sich der Park auf die ligurische Seite, jedoch lassen sich Naturwunder zur Piemontseite kaum davon trennen, gehen die Routen fließend über. So verteilt sich die Beradlung des Naturparks mit einigen Fremdgehlücken letztlich auf vier Tage.
Appennino Ovadese/Savonese (Piemonte/Liguria)
Zu denen Highlights der Abschlussschleife im Ligurischen Apennin zählt zweifellos die Fluss- und Schluchtenroute entlang dem Orba-Fluss, von dem ich mich Richtung Monte Beigua erst in San Pietro dell’Olba mit dem Fluss Urbe verabschiede, später dann in ein Trockensteintal übergehend, welches ein besonderes Biotop geschaffen hat. Allein die Sendetürme am Monte Beigua selbst stören die Naturromantik der Bergschleife. Auch vor Ort in Ligurien gibt es darüber Diskussionen, ob diese Verunstaltung des Berges hätte sein müssen.




Trotz Genua-Besuch hatte ich bisher noch keinen Fuß an die Riviera di Ponente gesetzt, den einzigen noch im Rücken des Apennins sollte die kleine Passage zwischen Cogoleto und Varazze bilden. Auf einer recht verschlungenen Route kam ich wieder in Zeitnöte mit der einfallenden Dunkelheit, sodass ich gleich auf Küstenfelsen die Nacht verbringen sollte. Das war quasi ohne Schlafsack möglich, unterschritt die Temperatur in der Nacht nicht die 27-Gradgrenze. Da könnte man eigentlich nackt zum Frühstückstisch fahren. In Varazze herrscht aber selbst in der Fußgängerzone solcher Lieferverkehr, dass man an Cafétischen kaum ungestört sitzen kann.




Das vorletzte Meeresbad beende ich sogleich mit einer mehrfach auf und ab schwappenden Passschleife, die mich über das künstlerische und kulinarische Sassello in eine Erosionslandschaft um das Valle Erro bringt mit einigen liebenswert geschmückten Dörfern. Der Fluss entwässert nicht zufällig in die Langhe, wo sich ähnliche Landschaften bei Piana Crixia nach Westen fortsetzen.

Unten: Valle del Teiro, Cappella di Madonna del Carmine



Hier steige ich aber nochmal zum Meer bei Savona ab, ohne jedoch die Strände aufzusuchen. Vielmehr wollte ich den symbolischen Aufstieg zum Grenzpass zwischen Apennin und Alpen bewältigen, dem Passo di Cadibona (oder auch Bocchetta di Altare). Cadibona ist die letzte Ortschaft zu Apenninseite, Altare die erste zur Alpenseite (und etwas näher dran). Man würde hier vielleicht einen markanten Pass erwarten, jedoch ist es ein recht schlichter, aussichtsfreier Ort auf bescheidenen 459 m Höhe, wo eigentlich nur der Grenzstein die Bedeutung hervorhebt. Verkehrstechnisch wurde der Pass längst entweiht bzw. vom Verkehr weitgehend befreit, so alle relevanten Straßen in einem recht schwer zu überblickenden Gewirr ausweichen bzw. die kleine Hürde nochmals untertunneln. Den Abzweig zum echten Pass muss man also aufmerksam suchen, sonst fährt man vorbei. Und so beginnt jetzt einen nächstes, hier zur Tour erstes Alpenkapitel.



