Titelbild Tofane/Cortina mit eingeblendetem, verzerrtem Olympialogo Milano Cortina und Dekovelo
Alpen,  Italien,  Lombardei,  Regionen,  Südtirol-Trentino,  Venetien

Milano Cortina 26 –
Olympische Velo-Variationen

Predazzo (Trentino)

Predazzo verleiht Flügel – so könnte der Slogan des Ortes lauten, wenn er auf seine Sprungschanzen verweisen will, auf denen die Adlerkönige der Skilüfte ihre Medaillen einfliegen. In Predazzo (1018 m) reichte es mir zu einer Pizza in einem Fastfoodrestaurant, als ein ausgiebiger Gewitterguss die Abendfahrt schneller beendete als gewünscht. An einer Sprungschanze zu übernachten war dann die Krönung, vor allem wenn man nachrecherchiert, wieviele Millionen dafür versenkt wurden. Bei so viel Geld war immerhin ein wasserdichtes Dach erwartungsgemäß vorhanden. Die beiden Wettkampfschanzen waren allerdings noch nicht mehr als ein aufgeschütteter Bauhügel, existent waren lediglich drei kleinere Jugend – oder Übungsschanzen zur Seite hin.

Auch hier muss oder darf ich bildlich auf den schöneren Ort in der oberen Nachbarschaft verweisen. Wie schon die Schanzen selbst nördlich des Predazzo-Ortskerns (dieser noch Val di Fiemme), befinden wir uns bereits im Val di Fassa, was in der allgemeinen Berichterstattung der Spiele untergeht bzw. meist falsch dargestellt wird, wenn wir es geografisch genau betrachten. Moena kann in Sachen Gourmetprodukte mit Predazzo mehr als mithalten, schöne Stickereien und anderes Kunsthandwerk noch dazu. Dass der Ort auch mit gefälliger Ortskulisse überzeugen kann, ist gar nicht so selbstverständlich, denn erst 2018 rissen die Fluten des Bergbachs ganze Häuserzeilen nieder. Kaum noch Spuren davon zu finden.

Predazzo und Moena sind über einen Radweg verbunden, dem man ferner durch das gesamte Val di Fiemme folgen kann – dort allerdings zur Talsohle, während sich für eine bessere Aussicht die Halbhöhenroute am Hang besser empfiehlt. Predazzo liegt quasi an der Schnittstelle zwischen Val di Fiemme (Fleimstal) und dem Val di Fassa, das nach Norden hin mehrere große Dolomitenpässe erschließt – so den Passo Pordoi (2239 m) mit der großen Sellarunde, den Passo Fedaia (2057 m) im Angesicht der Marmolata und den weniger bekannten Passo San Pellegrino (1918 m).

Den Passo San Pellegrino prägen gleichwohl auf der Passhöhe einige Wintersporteinrichtungen – verbaut wäre aber sicher übertrieben, eher sind es einige Liftanlagen und verzichtbare Werbebanner, die stören. Die große Panoramashow nach Norden nimmt man zunächst noch bei Moena mit, danach verschlucken recht dicht bewaldete Hänge die Bergszenerie etwas aussichtsarm. Zur Passhöhe entfaltet sich umso mehr eine Bergarena und taucht in unterschiedlichen Perspektiven auch zur Gegenseite auf der Ostflanke immer wieder auf – dann mehr noch Süden gerichtet. Der Übergang führt in die Belluneser Dolomiten, deren typische Zuckerberge sich freilich erst noch etwas südlicher entfalten. Man kann natürlich den San Pellegrino auch als parallele Route zum Fedaia nutzen und nach Norden sich Falzarego und Sellarunde erschließen oder auch Cortina. Lägen für den Radler nicht die großen Pässe dazwischen, könnte man Predazzo auch noch als Cortina-nah bezeichnen.

Tesero/Val di Fiemme (Trentino)

Cortina-nah darf man dann auch Tesero (1000 m) noch nennen, denn zwischen Predazzo und Tesero liegt die kürzeste Distanz zwischen allen der sieben Olympiaorte. Anders gesagt, sind Predazzo und Tesero Gemeinden des selben Talabschnitts, dem Val di Fiemme, eigentlich das selbe Tal wie das Val di Fassa oder das noch südwestlicher gelegene Val di Cembra, dessen unterschiedliche Bezeichnungen auf historisch unterschiedliche Herrschaftsbereiche und verschiedene Sprachkulturen zurückgehen. Val di Fiemme ist dann auch das Aha-Wort für Kenner der Skiszene, denn hier werden immer wieder Weltcuprennen im Langlauf bzw. die Tour de Ski veranstaltet. Das Skizentrum befindet sich diesmal unten in der Talsohle, während das historische Tesero von oben herunterschaut. Wer den bereits angesprochenen Radweg im Fleimstal nutzt, kommt auch an den Olympiaeinrichtungen vorbei, verfehlt aber die Panoramaroute in Südhanglage.

Die 10 km bis Predazzo waren für mich dann doch zu kurz, in Tesero eine weitere Besichtigungspause einzulegen, war ich doch schon kurz zuvor wiederholt begeistert von Cavalese, dem kulturellen Zentrum des Fleimstales. So oft ich den Ort querte, umso mehr noch sind die Zufahrtsachsen gelagert. Die Ost-Westachse markiert das Val di Fiemme recht flach, in Predazzo bilden Passo di Valles (2032 m) und Passo Rolle (1970 m) Ostzufahrten, die sich zu den bereits erwähnten Nordostanschlüssen über das Val di Fassa addieren.

Schon eher verschwiegen ermöglichen der Passo di Lavazè (1808 m) wie auch das Reiterjoch (Passo Pampeago, 1996 m) jeweils eine direktere Nordanfahrt nach Tesero bzw. Cavalese. Dem Reiterjoch darf man noch das Attribut besonders radfahrfreundlich zumessen, besteht doch die Nordauffahrt aus einer teils autofreien Anfahrt. Beide Routen lassen sich nördlich nochmal über den Querpass Passo di Pramadiccio (1431 m) verbinden, sodass man auch eine recht kurze, geschlossene Bergrunde von Tesero oder Cavalese befahren kann.

Des Weiteren münden unweit Cavalese aus dem Etschtal im Nordwesten der San-Lugano-Pass (1097 m), aus Südwesten/Trento die doppelte, beidseitige Panoramaspur des Val di Cembra mit zimbrischen Sprachinseln sowie der noch recht wenig bekannte Passo del Manghen (2042 m) aus der Valsugana direkt aus Süden. Soviel zentrale Stellung ist selbst in den generell eng verzweigten Dolomiten schon hervorzuheben, bedenkt man die daran noch andockenden Varianten. Gewiss kommt das hier alles zu kurz – eben genug Stoff, sich mit der Region noch genauer zu beschäftigen.

Cortina d’Ampezzo (Belluno/Veneto)

Dem namensgebenden Olympiaort im Ostteil der Spiele möchte ich gar nicht soviel Aufmerksamkeit widmen, scheinen der Nobelort und einige seiner Bewohner doch die geerdete Fassung verloren zu haben. Wer hier Station macht, muss überdurchschnittlich tief in die Tasche greifen. Cortina d‘Ampezzo (1224 m), mittlerweile fast nur noch kurz Cortina genannt, ist sicher noch ganz hübsch geblieben trotz des jahrzehntelangen Luxus-Trallallas – vielleicht muss man es nach Olympia auch nochmal neu bewerten. Zu 2024 waren bereits zahlreiche Baustellen hinderlich im Ort verbreitet. Beschaulicher in der Vergangenheit erlebt, hinterließ der Ort trotzdem nie einen tieferen Eindruck in mir.

Wir brauchen jedoch keine Gucci-Taschen oder Rolex-Uhren, um glänzende Augen in Cortina – will sagen – umher von Cortina zu bekommen. Die Kulisse der Bergformationen, in die Cortina eingebettet ist, ist schon von herausragender Klasse. Ein Teil der alpinen Skiwettbewerbe wird zur Basis der Tofana-Gruppe absolviert, die von Cortina aus zur Westseite sich erhebt. Ihr kommt man näher, wenn man den Falzarego-Pass oder etwas distanzierter den Passo di Giau (2233 m) erklimmt.

Markante Bergketten und mystische vermooste Lärchenwälder sind begleitende Eckdaten, im unteren Teil auf gemeinsamer Strecke. Setzt man den Falzarego-Pass (2105 m) um knapp 100 Höhenmeter fort, erreicht man den Valparola-Pass, um die große Sellarunde anzustimmen oder ins Gadertal abzufahren. Gewiss lässt sich Valcarlos die erweiterte Sellarunde auch andersrum ab Falzarego fahren, wie auch der Campolongo-Pass (1875 m) jederzeit die komplette Runde verkürzen kann.

Zur südwestlichen Ecke hin erschließen sowohl Passo Giau als auch Passo di Falzarego das Valle Agordina, sofern man nicht weitere Passhöhen ansteuert. Damit lässt sich auch der Kreis zum Passo San Pellegrino und Predazzo bzw. das Val di Fiemme schließen. Gemessen an den meist durchschnittlichen Steigungen der hier erwähnten Dolomitenpässen muss man beim Passo di Giau ein wenig mehr investieren, ohne gleich von einer Todesrampe sprechen zu müssen. Dafür ist dort weniger los als z.B. beim Marmolata-Schauverkehr über den Fedaia oder den Rallye-verseuchten Pässen der erweiterten Sellarunde.

Dem Tofana-Massiv nicht weniger attraktiv liegt die Cristallo-Gruppe gegenüber, gleich am Fuße ist Cortina gelegen. Sie kann man traumhaft über den Passo Tre Croci (1809 m) erleben, windet sich doch die Sichtkurve in gekonnter Weise am Gegenhang hinauf – und nicht mal so schwer zu radeln. Selbstverständlich lauern hinter dem Pass weitere Höhepunkte aus der Dolomitenschatulle, mit Lago Misurina und Drei Zinnen (vgl. Antholz).

Verschwiegener ist da das Cadore-Tal, dass sich sehr eng vom Passo Cimabanche (1530 m) über Cortina weiter nach Süden zieht. Die Radler freut es zudem, dass hier eine alternative Wahl eines Bahntrassenradwegs autofreies Erleben möglich ist, wenngleich Wegequalität und Trassenführung nicht immer überzeugt, als dass man dort fahren muss. Südlich Cortina ist man eher gleichberechtigt auf Radweg oder Straße, nördlich sind die Wege zeitweise recht verschieden und mit mehr Rumpelstrecke auf dem Radweg.

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