Auffahrt Ranzo, Blick auf Fraveggio und Lago di Santa Massenza
Alpen,  Südtirol-Trentino,  Touren,  Venetien

ALP-2025-GB-1
Südalpen (Verona – Monte Baldo – Grasstein)

Gardesane-Seefestival mit Wadenbrechern feat. Valle dei Laghi

Nicht weniger aufregend ist die Gegenseite des Passes, die auf die Verbindungsstraße zwischen Rovereto und dem Nordufer des Gardasees herunterfällt. An dieser Verbindungsachse über den Passo San Giovanni wurde schon vor etlichen Jahren ein Radweg angelegt, gleichzeitig die Straßenpassage für Velos verboten. Wie nicht unüblich, sind in die Velotrasse einige herbe Steigungsspitzen eingebaut, denen nicht jeder der Pulkfahrer auf der Strecke gewachsen ist – allerdings immer nur sehr kurze Stücke.

In Torbole fand ich einen Laden mit Radklamotten wieder, in dem ich schon vor über 20 Jahren mal etwas gekauft hatte – diesmal wieder (ein ärmelloses Trikot). Es herrscht allerdings kein Mangel an solchen Shops, wie auch auch größere Radläden Velos verkaufen und verleihen. Gardasee und Regen sind gute Verbündete – zumindest, wenn ich den See besuche. Der Hitzepeak des Vorjahres, als ich von Riva über die Ponalestraße aufgefahren war, sollte sich nicht wiederholen. Stattdessen tauchten tiefe Wolken See und Sarca-Tal in ein trübes Einerleigrau.

Als ich in die Dunkelheit auf dem Radweg im Sarca-Tal gelangte, entlud sich ein Dauerregen über die ganze Nacht, sodass ich nur mühevoll ein gesichertes Dach in Pietramurata finden konnte. Ich hatte bei der Römerbrücke von Ceniga kurz die Uferseite gewechselt, um den besseren Blick auf die Brücke zu erhalten. Dort verläuft eine etwas rumpelige Pistenstrecke – in Dro kann man aber wieder zurück zum eigentlichen Radweg.

Di, 2.9. Pietramurata – via Ciclovia dei laghi – Lago di Cavedine – Trebi – Passo Cavedine (578 m) – Cavedine – Stravino – Lasino – via SP251 – Ponte Oliveti – Sarche – Castel di Toblino – Lago di Santa Massenza – via Strada vecchia per Santa Massenza – Fraveggio

32 km | 555 Hm

Das Sarca-Tal beschreibt ein vom Gardasee fortgesetztes, nahezu flaches Seental, daher häufiger als Valle dei Laghi bezeichnet. Berge fährt man insofern nur, wenn man dazu Seitenrouten sucht. Vom sehr hübschen und entschleunigten Lago di Cavedine schraube ich mich zum gleichnamigen Pass hinauf, wo sich im Gegental gleichwohl wieder Apfelplantagen befinden, die schon teils im Sarca-Tal verbreitet sind, aber dort etwas überraschend von ebenfalls wasserdurstigen Kiwiplantagen ergänzt werden. Beim Aufstieg zum Cavedine-Pass kann ich nochmal das Steinmeer Marocche di Dro bewundern, das abends wegen der Dämmerung kaum zu erkennen war. Es handelt sich um eine Geröllhalde von Steinblöcken als Folge von Felsstürzen, ein Steinfeld seiner Art nach das größte der Alpen. Ein Weg führt dort noch zu archäologischen Funden, den ich aber nicht näher erkundete.

Schöne Winkel, pittoreske Fassaden und originelle Dekorationen prägen manche Orte des Valle dei Laghi, vor allem Lasino ist anheimelnd sehenswert, das Castel Madruzzo naheliegend am Hang thronend. In Sarche musste ich eine weitere Regenpause aussitzen. Der Ort ist trotz weniger Einwohner ein kleiner Einkaufsmagnet der Region. Meinen verlustigen Ladestecker konnte ich in einem Chinaladen ersetzen – nicht nur hier aber eine praktische Einkaufsquelle für allerlei, was man in den kleineren Orten sonst nicht bekommen würde.

Das Seental setzt sich mit dem idyllischen Lago di Toblino fort, dessen Castel quasi im See auf einer kleinen Halbinsel liegt. Die Preise des Restaurants in der Burg sind unbezahlbar, ein kleines Bistro des geschäftstüchtigen Betreibers soll auch einfachen Besuchern eine Kaffeeepause schmackhaft machen. Leider kann man das Castel nicht besichtigen, wenn man nicht zu entsprechenden Zeiten das Restaurant besucht und auch sonst sind die Blicke auf See und Burg etwas eingeschränkt, klebt die Straße dort zu sehr im toten Winkel am See.

Fast unmittelbar schließt sich der Lago di Santa Massenza an, dessen Zugang durch ein großes Wasserkraftwerk beschränkt ist. Das anliegende Weinörtchen Santa Massenza versprüht einen urigen Charme als wäre man am Ende der Welt. Nur geht es hier durch die Weinberge durchaus weiter und bald so steil hinauf, dass die Myobrillen anfangen zu klappern. Fraveggio, ein wiederum liebevoll hergerichtetes und dekoriertes Dörfchen mit Aussichtsfront über die Seen, ist allerdings auch noch auf einer regulären Straße mit weniger Qualen erreichbar – aber das wäre ja dann nur die halbe Freude.

Mi, 3.9. Fraveggio – Lon – Ranzo (750 m) – Lon – Covelo – Monte Terlago – Lago Santo – Lago di Lamar – Lago Santo – Terlago – Lago di Terlago – Cadine – Sopramonte – Candrai – Sardagna – Passo Camponzin (810 m) – San Antonio – Piedicastello – Trento – Gardolo – Lamar – Lavis – Pressano – Nave San Rocco

66 km | 1215 Hm

Die Freude nimmt weiter Schwung auf in der Anfahrt auf Ranzo, eine Straße teils in den Stein gehauen, sodass der Fels über dem Kopf schwebt. Mit zunehmender Höhe gewinnt die Aussicht auf die Seen bis weithin zum Gardasee. Ranzo als solches liegt dann als eher stilles Wohn- oder Feriendorf auf einem Hochplateau. Ich hatte hier nicht auf dem Schirm, dass eine wohl radelbare Piste zum Lago di Molveno führt. Mein Plan war aber ohnehin die Rückfahrt und ein Aufstieg zu zwei weiteren Bergseen, die sich von dem Valle dei Laghi in einem Hochtal absetzen. Die Laghi di Lamar erreicht man entsprechend über eine verwinkelte steile Straße, auf einer wiederum eigenen Höhenstufe eines langgezogenen, aber schmalen und abgeschirmten Plateaus.

Der durch eine Straße geteilte Lago di Terlago enttäuschte etwas, kann seinen etwas öden Stauseecharakter nicht kaschieren, während im zweiten Seeteil surreal die überschwemmten Bäume herausragen. Für Verwirrung sorgte folgend zunächst der Abzweig zur Bondone-Straße in Cadine. Zwar ist die direkte Straße nach Trento für Radfahrer gesperrt, doch lässt man diesen durch mangelhafte Auszeichnung im Unklaren, wo und wie er die Straße verlassen soll. So schon einen ersten Umweg eingefahren, entpuppt sich der weiter oben liegende Neubauort Sopramonte als wahre Durchfahrtshölle mit völlig irren Rampen und fehlender Beschilderung. Man vermeide, durch den Ort zu fahren und sollte daher auf der Umgehungsstraße bleiben.

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