Auffahrt Ranzo, Blick auf Fraveggio und Lago di Santa Massenza
Alpen,  Südtirol-Trentino,  Touren,  Venetien

ALP-2025-GB-1
Südalpen (Verona – Monte Baldo – Grasstein)

Flüchtige Trentiner Etschsplitter mit Pizza

Der Passo Camponzin ermöglicht, nach Trento einzufahren, ohne über den ganzen Monte Bondone zu beackern (den ich bereits im Jahr zuvor bezwungen hatte). Auch hier wäre eine eindeutige Ausschilderung noch wünschenswert, wie generell in Italien Alternativrouten oft nicht ausreichend ausgeschildert sind, selbst wenn sie als empfohlende Radrouten gedacht sind. Bald überschneidet sich die Strecke mit der unteren Auffahrt des Vorjahres und Blitzbumm bin ich in Trento, wenn auch wieder nahezu identisch zum Vorjahr bei Einbruch der Dunkelheit. Außerhalb der Altstadt ist es schwer ein nettes Lokal zu finden, sodass ich für eine warme Mahlzeit noch bis Lavis durchhalten musste, um eine ordentliche Pizza zu erhalten.

Do, 4.9. Nave San Rocco – Mezzolombardo – via SP64 – Faia della Paganella – Passo Santel (1040 m/max. 1150 m) – Andalo/Sella di Andola (1042 m) – Cavedago – Castel Belfort – Spormaggiore – Rocchetta – via SP43 – Castelletto – Moncovo – Denno

54 km | 1130 Hm

Noch in der Dunkelheit hatte ich die Etsch überschritten, aber nur zum Brückenort auf der anderen Seite. In Mezzolombardo suchte ich mein verlorenes Essbesteck samt Opinel-Messer zu ersetzen, was angesichts der Besteckmultipacks in den Supermärkten nicht gelingen wollte. Wieder musste ein China-Laden die Lücke füllen. Ein Opinel sollte ich aber erst später im Andalo erhalten, wo sich Sport- und Outdoorshops nur so aneinanderreihen – eine insgesamt negative Entwicklung zu Shopping und mittelklassigem Geldadel, der aus nicht unbedingt naturnahen Motiven in die Alpenwelt drängt.

Über die bärige Paganella ins Apfelland des Val di Non

So habe ich schon vorgegriffen auf die Auffahrt zur Paganella-Hochebene, mehr bekannt auch als Skigebiet, was aber nicht so wirklich ins Auge fällt, sieht man von dem verbauten Andalo ab. Die Route über Faia della Paganella ist eine Provinzstraße als Alternativroute zur SS421, jedoch scheint mir da nicht weniger Verkehr zu sein. Es sind eben diese falschen Anreizsysteme mit Shoppingmeilen in den Bergregionen, die immer mehr Motorfahrzeuge in die Schutzzonen treiben – selbst ins Bärengebiet am Brentamassiv.

Hatte ich mich durch die Einkaufstour in Mezzolombardo und die Plauderei mit einem jungen Deutschen aus Ulm am Passo Santel in der Zeit weit nach hinten gebracht, musste ich entsprechend die Abfahrt bereits in tiefer Dämmerung bewältigen. Im Tal ein weiteres Ärgernis durch eine extrem verwirrende Ausschilderung in Rocchetta, wo nun welche Straße mit dem geringeren Verkehr weiterführt. Schließlich erreiche ich Denno schon fast zu nachtschlafender Zeit, aus einer Bar bekomme ich aber noch ein Bier zum meinem Proviantdinner. Kaum ein Platz für ein Zelt hier in dem von Apfelplantagen überzogenem Bergland des Val di Non.

Fr, 5.9. Denno – Cunevo – Flavon – Terres – Tuenno – Einfahrt SP14 del Lago di Tovel (gesperrt) – Tuenno (Weinberge, max. 700 m) – Castel Nanno – Tassullo – Diga di Santa Giustina – Dermulo – Taio – Tres – Vervò – Sores – Passo Predaia (1253 m)

40 km | 1190 Hm

3er-Collage mit Apfelkisten, Apfelstrauch und Firmengbäude von Melinda in Cuneva

Melinda ist der bekannteste Apfelproduzent in Italien und hat mittlerweile sein Lebensmittelangebot deutlich erweitert. Vorherrschende Sorten sind der Goldene und Rote Delicious. Die flächendeckende Plantagenwirtschaft und Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln des Agrarkonsortiums mit Sitz in Cles unterliegt auch vielfältiger Kritik. Die Apfelbauern der Region bestücken ihre Hänger mit den leeren Kisten von einer zentralen Sammel- oder Produktionstelle von Melinda (hier: Caneva), die dann uniform die Straßenzüge säumen.

Es sollte ein Höhepunkt werden und endete mit einem Flop. Die Straße zum Lago di Tovel – Sackgasse zu einem idyllischen Bergsee mit einem Gasthof –, war wegen Bauarbeiten hermetisch abgesperrt inklusive Personalbewachung. Ich erfuhr zunächst nur, die Straße wäre ab 18 Uhr frei – erst später, dass sie ab September nur noch am Wochenende geöffnet sei. Das wurde allerdings nicht mal auf den Sperrschildern im Ort kommuniziert, auch GoogleMaps hatte die Sperrung nicht angezeigt.

Vermutlich war es eine glückliche Fügung, nicht in das Tal einzufahren, denn die Regenwolken verdichteten sich nunmehr zu mehren Schauern – dort im schmalen Tal haben sie sich wohl noch mehr festgesetzt. So konnte ich den Passo Predaia ab Vervò doch noch bei später Abendsonne angehen, indes eine Autofahrerin besorgt war um meine quälende Torkelauffahrt. Diese Leiden kann ich ja verschmerzen, aber die folgende Pannenodyssee brachte mich doch an die psychische Grenze – bedenke man die Pannenvorgeschichte auf der ganzen Tour noch dazu.

Sa, 6.9. Passo Predaia – Baita Sette Larici – Sfruz – Lago di Coredo – Lago di Tavon – via Piste – San Romedio – Sanzeno – Malgolo – via Radweg (meist an der SS43dir) – Romeno – via Radweg – Cavareno – Ronzone – via Ciclabile – Ruffré – via SP19 – Passo della Mendola/Mendelpass (1363 m)

36 km | 890 Hm

Auf der eiskalten Passhöhe erwischte mich bei Dämmerung die in diesem Teil der Tour erste Reifenpanne, insgesamt war es aber schon Nummer 5 oder 6 – so genau kann ich das gar nicht mehr rekonstruieren. Das Licht vom Gasthof war nur schummrig – schwer zu sagen, ob es daran lag, dass ich nicht die Ursache finden konnte. Mit neuem Schlauch suchte ich mein Glück, zum nächsten Morgen auch alles gut, eine rollfreudige Abfahrt mit frostigen Fingerspitzen. Doch kaum etwas an den beiden kleine künstlichen Seen bei Coredo vorbeigerollt, ist der Reifen wieder platt. So plötzlich wie unergründlich auch diesmal keine Ursache zu finden, Hilfeaugen eines anderen Radlers inklusive. Dazu machte die Pumpe noch schlapp, weil der Dichtungsring sich gelockert hatte und kommende Pannensituationen erschwerte.

Damit war nicht genug. Wieder rollte der Reifen ordentlich dahin, über Schotter, über Asphalt, nach Sanzeno, wo ich zunächst am Brunnen beide beschädigten Schläuche reparierte. Die Freude währte nicht lange, als in Romeno schon wieder Genosse Plattfuß sich meldete. Gerade noch vor dem endgültigen Nervenzusammenbruch konnte ein vorbeikommender Radler mich in der Psychospur halten. Ich fand wieder keine Ursache, der andere Radler auch nicht. Nochmal Reifen umstülpen und dann doch ein kleines Scherbchen versteckt im Mantelinneren, nahezu unsichtbar. Nicht wissend, ob es nun die einzige Schadquelle gewesen sein mag, ein Hauch von Erleichterung – tatsächlich hielt nun der Schlauch bis zum Ende der Reise.

Im Berichtsfaden muss ich nun nochmal zurückgreifen, denn Wesentliches lag dazwischen. Ich hatte bei den Seen von Coredo mich für eine Schotterfahrt umentschieden, die mich zur Wallfahrtskirche San Romedio brachte, einem auf einem Felssporn atemberaubend gebauten Kirche – an sonnigen Wochenenden wie diesem allerdings auch ein Hotspot. Die Straßenzufahrt führt durch ein extrem enges, steil von Fels umranktes Tal, das von Sanzeno aus hinaufstrebt. Ein unerwartetes Highlight.

An der weiteren Auffahrt zum Mendelpass gibt es Neuheiten zu berichten. So steht stellenweise, weiter oben ab Ronzone durchgehend ein neuer Radweg zur Verfügung. Gewiss gibt es dabei ein paar Umwege, dafür ist man verkehrsfrei unterwegs. Einige Passagen sorgen jedoch für Verdruss. So lenkt das Schild in Cavareno von der pittoresken Ortsquerung weg, um völlig überflüssig eine steile Nebengasse anzugehen, über die man dann doch irgendwann zurück zur Hauptstraße muss. Ich konnte noch rechtzeitig auf die Ortsdurchfahrt umlenken.

Jenseits von Ronzone ist der Radweg weitgehend ganz neu gemacht, windet sich aber auf und ab und mit Umwegen abseits der eigentlichen Passstraße zum Ziel. Dabei passiert man den Ort Ruffré (den man sonst mit der Passstraße nicht befahren würde), wo eine hakelige und nicht ausreichend ausgeschilderte Wegführung mir die Weiterfahrt verwehrte, zumal ich wiederum der einfallenden Dunkelheit geschuldet keine weiteren Experimente eingehen wollte. Zum Glück gibt es von Ruffré noch eine normale Straße zurück zur Mendelpassstraße – soweit kommt man dann gleich beim Pass raus. Wer ausreichend Zeit hat, sollte aber die neue Radroute ausprobieren, sie führt recht launig durch Bergwiesen fernab der Straße mit einigen Höhenmetern mehr.

Seiten: 1 2 3 4 5

Cookie-Hinweis</br>Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Die Website verwendet Cookies von Drittanbietern, die dem Komfort der Seite dienen. Welche Cookies verwendet werden, erfährst du unter <a href=https://pedalgeist.de/privacy-policy/ target="_blank" rel="noopener noreferrer">Datenschutz</a> oder hier: Weitere Informationen


Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen.


Diese Seite verwendet folgende Cookies von eingebundenen Drittanbietern
(Cookie-Name | Provider | Typ | Ablauf nach):

- CONSENT | youtube.com | HTTP | 6656 days
- GPS | youtube.com | HTTP | 1 day
- PREF | youtube.com | HTTP | 8 month
- VISITOR_INFO1_LIVE | youtube.com | HTTP | 179 days
- YSC | youtube.com | HTTP | Session
- IDE | doubleclick.net | HTTP | 1 year
- test_cookie | doubleclick.net | HTTP | 1 day



Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen